Cultural Appropriation – was ist das eigentlich?

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Unter „Cultural Appropriation“, zu Deutsch kulturelle Aneignung, versteht man das Phänomen, wenn dominante Gesellschaftsgruppen Frisuren, Kleidung, Accessoires oder andere Elemente aus einer marginalisierten Kultur übernehmen. Oft fehlt dabei der sensible und respektvolle Umgang mit der imitierten Kultur.

Aber was hat das mit Mode zu tun?

Ein besonders gutes Bespiel für kulturelle Aneignung in einem modischen Kontext ist das Musikfestival „Coachella“, dass alljährlich in Kalifornien stattfindet.

Oftmals sind die auffälligen Outfits gespickt mit Symbolen und Elementen verschiedenster Kulturen. Es wird Federschmuck indigener Völker Nordamerikas getragen, Bindis, die in Südasien Weisheit und Spiritualität bedeuten, ergänzen das Festival Make-Up und Braids oder Dreadlocks machen das Haarstyling perfekt.

Auch bei großen Modeunternehmen taucht kulturelle Aneignung fast inflationär auf.

Valentino inszenierte beispielsweise weiße Models inmitten eines afrikanischen Stammes, Chanel vertrieb einen Bumerang, Wurfwaffe und Symbol der australischen Aborigines, für 2000 US-Dollar und Marc Jacobs ließ hauptsächlich weiße Models mit bunten Dreadlocks über den Catwalk laufen.

Ist das nicht einfach nur kultureller Austausch, der in unserer globalisierten Welt nicht mehr unumgänglich ist?

Der Unterschied zwischen kulturellem Austausch und kultureller Aneignung ist, dass bei kultureller Aneignung meist eine priviligierte, weiße Schicht Elemente, Symbole oder Artefakte marginalisierter Kulturen nehmen und sich diese meistens aus wirtschaftlichen, oder modischen Gründen zunutze machen.

Auch wird gerade im Fall von Braids und Dreadlocks bei weißen Menschen völlig außer Acht gelassen, dass People of Colour ihre Haarstruktur nicht nach Belieben ändern können und häufig gerade deswegen mit rassistischen Anfeindungen und strukturellem Rassismus zu kämpfen haben. Dieser Umstand wird durch uninformiertes Aneignen anderer Kulturen schlichtweg verharmlost.

Wie geht man am Besten mit kultureller Aneignung um?

An erster Stelle steht, sich mit anderen Kulturen auseinanderzusetzen, sich über historische Hintergründe zu informieren.

Wann gelten bestimmt Symbole der jeweiligen Kultur als heilig? Wann unterstütze ich durch meine Art der Aneignung strukturellen Rassismus? 

Ein respektvoller und sensibler Umgang und das Aufbringen von Verständnis für andere Kulturen ist besonders wichtig. Dabei kann ein Dialog mit Menschen anderer kultureller Herkunft besonders  wegweisend sein. Persönliche Geschichten und Erfahrungen helfen dabei, eine Beziehung zu anderen Menschen und Kulturen aufzubauen.

Gerade in der Modebranche, in der kulturelle Aneignung ein großes Problem ist, werden meistens die Menschen, die hinter den angeeigneten Kulturen stecken, nicht inkludiert. Hier spricht man vom sogenannten „Diversity-Gap“. Marginalisierte Kulturen werden auf den Laufstegen oder Katalogen kaum gesehen und kommen so nicht zu seinem persönlichen Ausdruck. 

Gerade die Industrie sollte sich ihrer Reichweite und dem Stellenwert, den Mode in unserer Welt hat, bewusst werden. Inspirationen aus anderen Kulturen zu ziehen ist nichts verwerfliches. Sich jedoch ohne jegliche Art der Wertschätzung an anderen Kulturen zu bedienen und daraus Profit zu schlagen ist nicht in Ordnung. 

Wieso nicht mit Menschen zusammenarbeiten, die aus der jeweiligen Kultur stammen, und diese in den Arbeitsprozess einbinden? So würde die soziale und kulturelle Vielfalt besser ausgeschöpft werden, denn Mode kann in jedem Fall als Mittel zur Dekolonialisierung und als Vermittler zwischen den verschiedenen Kulturen dienen.

Die HTW Berlin lädt ein zur WERKSCHAU 2019

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Dieses Wochenende ist es wieder so weit: im Rahmen der jährlich stattfindenden WERKSCHAU stellen rund 1500 Studierende und Professor*innen des Fachbereichs 5 für Gestaltung und Kultur ihre Arbeiten des aktuellen Semesters aus.

Alle Interessent*innen sind herzlich eingeladen, an diesem Wochenende in sommerlicher Atmosphäre die HTW und unterschiedlichste Arbeiten von Studierenden zu erkunden, sowie Vorträgen und Präsentationen beizuwohnen. Die WERKSCHAU ist auch eine gute Gelegenheit, sich als Studieninteressierte*r über die Studiengänge zu informieren.

Wann: 05. und 06. Juli 2019, jeweils 13 – 20 Uhr
Wo: HTW Campus Wilhelminenhof | Wilhelminenhofstr. 75A, 12459 Berlin
und in den Reinbeckhallen | Reinbeckstraße 17, 12459 Berlin
Eintritt: kostenlos!

Info: https://events.htw-berlin.de/hochschule/werkschau-2019-gestaltung-und-kultur/
Facebook: https://www.facebook.com/events/2334610216814784/


HTW x RBH – Coming Soon: 4. Semester Fashion Show

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Jedes Jahr präsentieren die Studierenden des aktuellen vierten Semesters der HTW Berlin ihre Hauptprojekte im Rahmen einer Modenschau.
Dabei gab es die Wahl zwischen dem Kurs “Creative Identity”, den Prof. Anke Schlöder betreut, sowie dem Kurs Strickdesign mit dem diesmaligen Thema “Monstrous”, geleitet von Prof. Grit Seymour und in Kooperation mit der Südwolle Group und LPJ.

Wir wollen noch nicht zu viel verraten, doch gezeigt werden konzeptuelle, außergewöhnliche, facettenreiche Looks, die man sich nicht entgehen lassen sollte!

Bald ist es deshalb wieder soweit: unter dem gemeinsamen Titel “CREATURE” zeigen die Studierenden am 03. Juli 2019 in den Reinbeckhallen ihre Arbeiten auf dem Laufsteg als krönenden Abschluss eines erfolgreichen Semesters.

Also diesen Tag am besten sofort im Kalender markieren und direkt ein Ticket sichern:

Was: 4. Semester Fashion Show inkl. Performance Act und Ausstellung der Graduates 2019
Wann: 03.07.2019, Einlass ab 19 Uhr
Wo: Reinbeckhallen, Reinbeckstr. 17, 12459 Berlin

Eintritt an der AK: 5€

Tickets können auch bereits im VVK heute, den 25.06. und morgen, den 26.06. von 12 bis 14 Uhr vor Halle B1 auf dem Campus Wilhelminenhof erworben werden.

Kontakt: info@creature.fashion
Instagram: @htw_fashiondesign_berlin
Facebook: @htwberlin

Wir freuen uns auf Euch!

Graduate Selected – Ausstellung in den Reinbeckhallen

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Im Rahmen der Fashionweek Berlin zeigen Absolventen der HTW ihre Abschlusskollektionen in den Reinbeckhallen. Als Auftaktveranstaltung zur Modenschau des 4. Semesters wird die Veranstaltung um 19 Uhr eröffnet. Vom 4. Juli – 7. Juli kann die Ausstellung kostenlos besucht werden.

Nathalie Webers Kollektion bietet einen Rückzugsort, Wohlfühlraum und eine Schutzhülle für hochsensible Frauen. Es wurden natürliche, nachhaltige, hautfreundliche, antibakterielle, fungizide und Elektrosmog (EMF) abschirmende Materialien verwendet um die unterschiedlichen Bedürfnisse zu erfüllen.

Instagram: @cinderellalosthershoe | @augustantler

Timo-Jan Martens beschäftigt sich mit Stereotypen der Region Ostfriesland und hat diese in Form einer Couture Kollektion übersetzt. Seine Modelle bestechen durch aufwändige Handstickereien.

Instagram: @ateliertimomartens

Anna Heims Kollektion „Skin to Skin“ bietet eine Sicherheit vor der Angst in der Metropole unter zu gehen und sich zu verlieren. Gewissheit für die Frage wer wir sind und wie wir unsere Identität finden wird gegeben. Unsere Kleidung als Schutzhülle, für Momente, in denen wir unsere individuelle innere Persönlichkeit nicht zeigen wollen oder können, oder bei sozialen Unsicherheiten indem sie eine Selbstverständlichkeit kommuniziert. Unser tiefstes Inneres wird beschützt. Durch den Schutz und die Komfortzone, sind wir sicher und können uns auf unsere Identität und die Ausbildung und Auslebung dieser konzentrieren. Es wird eine Komfortzone errichtet, in der wir uns wohlfühlen und wir selbst sein können. 

Instagram: @annaskheim

Die Klimakatastrophe, schwindende Ressourcen, der pazifische Müllstrudel. Dies sind nur drei prominente Vertreter der menschengemachten Probleme, denen wir jetzt und in der unmittelbaren Zukunft gegenüberstehen. Dieses „jetzt“ soll in dieser Arbeit verortet werden. Seit einiger Zeit hat sich der Terminus „Anthropozän“ unter Wissenschaftlern und Philosophen als Bezeichnung für das die derzeitige geologische Epoche etabliert. Um sich Lösungsansätzen anzunähern werden vor allem Vorschläge zur Umstrukturierung von Gestaltungsprozessen und der Umgang mit Abfall und Restbeständen beleuchtet.

Instagram: @vvimmeroth

Die Designerin Martha Berwanger beschreibt ihre Kollektion wie folgt:

„Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden“ – diese Bestimmung wurde 1994 als Artikel 3 Absatz 3 Satz 2 in das Grundgesetz aufgenommen.  Die Änderung gilt als großer Schritt für eine bessere Integration behinderter Menschen in die Gesellschaft.

Inklusion betrifft aber nicht nur die Schulzeit und das Arbeitsleben, sondern ist in allen Lebensbereichen relevant. Auch in der Modeindustrie werden Menschen mit Behinderung häufig nicht berücksichtigt. Erwachsene Menschen mit Down-Syndrom haben oft eine besondere, von der Norm abweichende Körperform.

Instagram: @Marthab8595

Edina Vargas Herrenkollektion „FRACTURES“ ist den Themen Nostalgie und Erinnerung gewidmet. Das Phänomen Nostalgie gewinnt immer mehr an Bedeutung. Man sehnt sich nach Zeiten, die man selbst nie erlebt hat, und nach Orten, die man noch nie besucht hat. Heute, wo die Menschen von Informationen und Impressionen überströmt werden, scheint die Vergangenheit viel einladender und sicherer zu sein als die Gegenwart.

Instagram: edinavarga_prints

Instagram: feli_thieme

Modische Zeitreisen und experimentelle Arbeitstechniken auf der Langen Nacht der Wissenschaften

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Am 15.06.2019 präsentierten die vier Modeabsolventinnen Atefeh Farzandi, Carla Renée Loose, Esther-Helin Bienroth und Nayeon Kim, ihre ausgefallenen Endprojekte auf der Langen Nacht der Wissenschaften.
Jede Kollektion basierte dabei auf einem anderen Thema.


Mit viel Liebe und Kreativität zauberten sie ihre Kollektionen aus ungewöhnlichen Materialien und mit ideenreichen Arbeitstechniken. So gab es Outfits und Accessoires mit aufwendigen Oberflächengestaltungen und komplizierten Schnitttechniken zu bewundern.

Paradox

Atefeh Farzandi beschäftigte sich unter dem Titel „ Paradox“ mit ihrem Heimatland, dem Iran und ihrer tiefen Verbindung zu diesem. Aber auch mit den Vorurteilen den die Medien in Europa über das Land verursachen. Sie möchte die Vielfalt ihrer Heimat zeigen und ihre Kultur von mehreren Seiten beleuchten.

Dies zeigt sie einerseits mit transformierbaren Outfits, wie den, aus traditionellem Stoff gefertigten Schleier, der ein buntes Futter birgt, das das Outfit von einem schlichten grauen Schleier im Hand umdrehen in ein fröhliches Kleid verwandelt. So, sagt sie, hat auch die iranische Kultur zwei Seiten, die es beide wert sind betrachtet zu werden. Andere Schleier sind ganz durchsichtig, mit bunten Blumen bedruckt, um zu zeigen, dass man sich die Dinge nicht durch einen Filter ansehen sollte, wie man auch eine Kultur nicht durch den Filter der Medien sehen und beurteilen sollte.

Doch auch mit Worten aus geschriebenen Gedichten, bringt Atefeh uns ihr Thema näher. Einzelne Zitate wie: „Sillouetten der Frauen“ oder „Liebkosen“ und „ Schoss“ verarbeitete sie in ihren Outfits.

So vereinigt sie Tradition mit Mode und zeigt uns dabei eine neue Seite des Iran.

Es war alles Gegenwart, die Zukunft fand ausschließlich in Science Fiction statt

Carla Renée Loose thematisierte mit ihrer Kollektion, die den Titel „Es war alles Gegenwart, die Zukunft fand ausschließlich in Science Fiction statt“ trägt, die Idealisierung der Jugend. Sie beschäftigt sich mit den Wunsch der Gesellschaft nach ewiger Jugend und warum wir Menschen so sehr danach streben. Dabei kommt sie zu dem Schluss, dass es der Wunsch nach Einfachheit und weniger Verantwortlichkeit ist, der uns nach Jugendlichkeit streben lässt und dass das Bedürfnis nach Abweichung und Unvernunft in paradoxer Weise, in zwanghafter Aufrechterhaltung der äußerlichen Jugendlichkeit resultiert.

Ihre Kollektion spielt mit dieser Idee und zeigt einerseits das Jugendliche, Experimentelle und Verspielte, doch im Kontrast dazu das Inszenierte und Oberflächliche. So wirkt ihre Kollektion als ein Ganzes und sollte als ein solches betrachtet werden. In ihren Outfits visualisiert sie die intensive Emotionalität der Jugend im un-idealisiertem Zustand. Während sie in Accessoires in Folie eingepackte Stickereien präsentiert, die die konservierte Jugend darstellt. Die Oberflächengestaltungen sind der Schwerpunkt ihrer Kollektion. So findet man mit viel Liebe bestickte Stoffe, aufwendig gestrickte Oberteile und kunstvolle Faltentechniken in ihren Outfits.

The Importance of Being Nothing

Esther-Helin Bienroth’s Abschlussarbeit „The Importance of Being Nothing“ bringt eine neue Denkweise in das Thema Stress und Überforderung. Sie stellt die Idee einer multiplen Persönlichkeitsstruktur vor, die aus der ständigen Selbstoptimierung resultiert. In einer Visualisierung stellt sie diese Persönlichkeiten in einen Raum um einen Dialog zu beginnen.

Zu Grunde liegt dieser Idee ihre kritische Sicht auf die heutigen Medien und ihre stetig wachsende Wichtigkeit in unserem privaten und aber auch beruflichen Leben. Der ständige Vergleich zu anderen, der uns unter Druck setzt und den Künstlern die Kreativität nimmt. Sie selbst hat sich von Instagram entfernt und beschlossen bei ihrer Kollektion mit nichts zu beginnen und ganz und gar bei sich zu bleiben. Denn man darf den Bezug zum selbst nicht verlieren. Sie konzentriert sich bei mit Artfremden Material, die sie aus dem Kontext geholt einsetzt, auf die Reduzierung. Doch auch ihre Persönlichkeiten tauchen als Gesichter, in Drucken oder als Accessoires immer wieder auf. Auch mit Abdrucken, wie zum Beispiel die Kleider derer Personen, die sie unterstützten, findet man als Oberflächengestaltung in ihren Outfits.

Sie möchte eine Gegenbewegung zum Konsum und somit den Protest gegen die Ausbeutung der Kreativen beginnen.

Zeitreise von Joseon zu Seoul

In ihrer Kollektion „Zeitreise von Joseon zu Seoul“ beschäftigt sich Nayeon Kim ebenfalls mit ihrer Heimat. Wie ihr Titel es bereits verrät, kann man in ihrer Kollektion sowohl traditionelle koreanische Schnitte als auch moderne Elemte, wie von den modischen Converseschuhen inspirierte Schnürrtechnicken bewundern.

Der Schwerpunkt ihrer Kollektion ist jedoch ihre interessante Technik, ihre gezeichneten Bilder zu Mode zu machen. Sie wandelt nicht nur ihre Bilder zu Prints um, die sie auf Samt drucken lässt, sonder „zeichnet mit ihren Schnitten“. Dabei wird der Stoff zur Farbe, die Nähmaschine zum Pinsel, ihr Outfit zur Kunst. Auch mit 3D Effekten bringt sie uns zum Staunen. So ist die Stadt auf ihrer Kleidung zum Greifen nah. Das schnelllebige Seoul inspirierte sie nicht nur bei Tag. Auf der Rückseite ihrer Outfits hat sie die Stadt bei Nacht festgehalten. Rücken und Vorderansicht sind oft unterschiedlich bei ihr.

Doch auch bei ihren Traditionellen Outfits erzählt sie uns eine Geschichte. Mit dem Motiv des weinenden Auges, erinnert sie an die Gisaeng, die zu ihrer Zeit sehr gebildete Frauen wahren, jedoch durch ihre Strengen Regeln oft traurige Liebesgeschichten verbargen.

So nimmt uns Nayeon Kim auf eine Zeitreise durch die Geschichte ihrer Heimatstadt und findet dabei eine neue Interessante Art Mode zu machen.

In Allem eine sehr gelungende Austellung.

Respekt an die Designer.

„Paradox“


„Es war alles Gegenwart, die Zukunft fand ausschließlich in Science Fiction statt“

„The Importance of Being Nothing“

„Zeitreise von Joseon zu Seoul“