Frozen Hibiscus – Rockabilly für Erwachsene

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Mal wieder war das Gafferdeluxe-Team für euch unterwegs.
Dieses Mal waren wir zu Besuch bei Frozen Hibiscus, einem berliner Label. Die Inhaberin und Designerin Claudia Urbanek ist Absolventin der HTW und stand uns an einem sonnigen Vormittag in ihrem schön nostalgischen Laden in Weissensee Rede und Antwort, teilte Ihre Erfahrungen und gewährte uns einen Einblick hinter die Kulissen von Frozen Hibiscus.

„Frozen Hibiscus“. Wie bist du auf den Namen gekommen?

Die Frage kommt jedes mal (lacht). Das entstand aus einer Spielerei mit meiner Mutter. Ich habe meinen Abschluss mit einer Hawaiikollektion und mich in dieser Richtung auch selbstständig gemacht. Ich wollte unbedingt dieses Hawaiithema haben und der Hibiskus war mir halt wichtig. Wir kamen darauf „etwas erhalten zu wollen und einen Stil zu fixieren“ und so kam diese Spielerei dann auf und so waren wir bei „Frozen Hibiskus“. Und daher kommt es eigentlich und es bedeutet, sich den eigenen Stil zu bewahren.

Also dein Stil geht ja sehr in Richtung Rockabilly. Hat sich das schon im Studium herauskristallisiert und ist allgemein das Interesse schon vorher da gewesen?

Das kam schon während des Studiums, weil ich selber in der Szene unterwegs war und bin. Daher kam auch meine Fifties-Abschlußkollektion mit dem Thema Hawaii. Am Anfang war es noch rockabillylastiger als es jetzt ist. Über die Jahre hat sich der Stil dann einfach noch mehr weiterentwickelt. Er ist eleganter und klassischer geworden. Ich verwende beispielsweise kaum noch Würfel, Kirschen oder diese kleinen Karos, halt diese „Klischee-Rockabillysachen“ sind kaum noch vorhanden. Es geht jetzt schon mehr um eine erwachsenenere Frau. Eine klassische, stilvolle Frau.

Also findest du, dass deine Entwürfe dann mit dir zusammen gereift sind.

Auf jeden Fall.

Und wie war es für dich nach dem Abschluss? Wusstest du schon während des Studiums, dass du ein eigenes Label gründen willst?

Eigentlich wollte ich es erst mal in einer Firma probieren und habe dann auch ein Praktikum bei einem kleineren Berliner Label gemacht. Sie wollten mich übernehmen, aber sie konnten mich dann nicht so bezahlen, wie ich es gebraucht hätte. Und dann habe ich mir gedacht: Dann kannst du es auch selber machen. Und mit meiner Abschlußkollektion habe ich mich dann selbstständig gemacht.

War der erste Schritt in die Selbstständigkeit schwer? Viele haben ja auch Angst davor und gehen deshalb in Firmen, obwohl der Wunsch nach Selbstständigkeit besteht.

Angst… Na ja, ich hatte ja eh nichts, also was hätte ich da verlieren sollen? Man bekommt ja nicht mal Arbeitslosengeld, dass kannst du nur aus Hartz-4 starten. Damals hatte ich dann Jemanden kennengelernt, die mir dann vorgeschlagen hatte ein gemeinsames Atelier zu mieten. Sie hatte ebenfalls ein eigenes Label und dann haben wir uns zusammengetan. Dann war es auch einfacher sich die Kosten einzuteilen. Mann bekommt dann vom Jobcenter ein Startgeld, was aber auch eilt. ein Witz ist.
Da ich schon viele Stoffe und Maschinen hatte habe ich dann erst von Zuhause aus gearbeitet, aber das funktioniert nicht gut. Man kann einfach schlecht Kunden bedienen, wenn man sie Zuhause empfangen muss, es sei denn die Räumlichkeiten sind so groß… Und niemand nimmt dir die Preise ab.
Es war okay, da ich schon Kunden durch den Laden meiner Mutter, für Tanzbekleidung, hatte und habe dadurch dann Tänzerkunden und später auch normale Kunden mitgenommen.
Dann ging es Schlag auf Schlag. Ich hatte eine Freundin, die Grafikerin ist, welche sich dann um meine Website gekümmert hat. Und dann lief’s ja doch ein bisschen an.

Also hältst du „Networking“ schon für extrem wichtig?

Definitiv! Man brauch einen Grafiker, es sei denn man ist selber so fit. Es gibt ja Leute die können alles – sie vermarkten sich selber, machen ihre Grafiken, machen ihre Flyer – aber man braucht ja auch die Zeit um ein Design zu entwickeln und deshalb weiß ich nicht, ob es so gut ist, wenn man alles alleine macht. Sicher ist es aus Kostengründen leichter, aber alles kann man wirklich nicht alleine machen. Das schafft man auf Dauer nicht.

Denkst du die HTW hat dich ganz gut auf den Alltag vorbereitet oder ist dann vieles ein bisschen auf dich eingestürzt?

Schwer zu sagen. Um vieles musst du dich doch schon selber kümmern. Gewerbeamt, Finanzamt etc. Also das ganze Organisatorische. Auf vieles wurde beispielsweise in „Recht und Design“ schon hingewiesem. Eigentlich ging es bei der HTW auch nicht darum sich selbstständig zu machen, sondern später in großen Firmen zu arbeiten und die dortigen Abläufe zu kennen. Doch, es wurde schon gut vorbereitet. In der Richtung wie man eine Kollektion erstellt, wie die Kette sich verläuft, einen Einblick ins Markenrecht gegeben, wo man bei Anmeldungen aufpassen muss. Vieles kriegst du dann aber auch mit, wenn du es machst.
Durch die Selbstständigkeit meiner Mutter habe ich dann aber auch schon viel gesehen und gewusst was auf mich zukommt. Ich glaube man muss einfach reinspringen.
Am Besten ist es natürlich, wenn man ein Startkapital hat. Es schadet nicht, sich vorher einen Businessplan zu machen und klar zu strukturieren, welche Schritte man gehen möchte.

Zum Thema Finanzierung:  Du hast ja deinen eigenen Laden. Kannst du dich damit gut über Wasser halten? Kannst du einigermaßen gut leben oder musst du nebenbei noch anderweitig arbeiten?

Ich habe keinen Nebenjob. Ich kann schon davon leben, aber ich könnte es mir auch besser vorstellen. Es gibt genügend Sachen, die dann „hintendrin hängen“ und man macht Abstriche und buttert alles Geld was man hat in den eigenen Laden. Es gibt immer mal Rechnungen die liegen bleiben, das Finanzamt sitzt einem auch jedes Mal im Nacken, die Umsatzsteuer ist ja immer enorm, aber über die 6 Jahre hat sich das doch ganz gut entwickelt.

Aber du bist trotzdem mit deiner Entscheidung zufrieden?

Ja. Es gibt zwar immer Momente in denen man sich denkt „Eine Festanstellung und ein geregeltes Festeinkommen wären schon schön, mal in den Urlaub zu fliegen ohne sich Sorgen machen zu müssen ob das Geld reicht, oder mal zwei Wochen zumachen zu können ohne ein schlechtes Gewissen zu haben“. Denn in der Zeit, in der man zumacht, verdient man natürlich kein Geld. Dafür habe ich dann andere Freiheiten. Ich kann meine Freizeitgestaltung, mein Hobby mit der Arbeit verbinden. Ich kann auch auf Festivals fahren und verbinde es dann damit, dass ich dort dann einen Stand habe. Aber ich kann dann trotzdem tanzen gehen und meinen Spaß haben. Und ich kann auch einfach sagen: Ich gehe jetzt Montag mal nicht arbeiten.

Und gibt es Tipps, die du kommenden Absolventen mit auf den Weg geben würdest?

Man sollte seine Geschäftspartner gut kennen. Es bringt nichts, wenn man jemanden mit im Boot hat, der den Arsch nicht hochkriegt und man dann für zwei arbeiten muss. Und ich glaube zu viele Leute in einer Gruppe sind auch nicht gut.
Und was auf jeden Fall gut ist, wenn man doch mit zwei oder drei Leuten zusammenarbeiten, sich einen BWLer dazuzuholen!

Vielen lieben Dank für das Interview!

Für alle, die interessiert an der Arbeit von Fr. Urbanek sind:
Während der FashionWeek diese Woche ist Frozen Hibiscus auf der Herzblut-Messe (4. & 5.07) nahe der Stephanuskirche, Prinzenallee 39/40, vertreten.

Also: Vorbeischauen, bewundern und mit einem leichteren Geldbeutel, aber vollem Gepäck die Schätze nach Hause tragen!

http://www.frozen-hibiscus.de/
http://herzblut-messe.de/

Ein Gedanke zu “Frozen Hibiscus – Rockabilly für Erwachsene

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