Vom Ländle ins Städtle! – Eine Masterstudentin packt aus!

campus

Gaffer hat sich in den Masterstudiengang gewagt und Yvonne Wojnar zur Rede gestellt.

Yvonne WojnarIhr Studium an der Textil & Design Hochschule Reutlingen beendete sie 2011 erfolgreich mit dem Bachelor. Bereits ihr Praxissemester führte sie nach Berlin und nach dem Abschluss stand für sie fest, wenn Master dann in Berlin! Der Weg erwies sich als etwas holprig, aber mittlerweile ist sie im 3. Semester und schreibt fleißig an ihrer Master Thesis.

Gaffer: Liebe Yvonne, was hat dich denn eigentlich zum Modedesign gebracht?

Yvonne: So richtig angefangen mit dem Modedesign hab ich recht spät. Gezeichnet hab ich schon immer, doch das Interesse fürs Nähen kam erst im Alter von ca. 16 Jahren auf, damals vorwiegend durch mein Interesse an Cosplay. Das erste Kostüm entstand in Zusammenarbeit mit meiner Oma. Seit diesem Zeitpunkt beschäftigte ich mich sehr mit Nähen auf Maß, da ich die Kostüme ja immer selber trage, und auch mit Perückenstyling und Make-Up. Da ich hier am Ball blieb und eine richtige Leidenschaft dafür entwickelt hatte, die bis heute anhält, schlug mir meine Mutter damals vor, mich doch mal in Reutlingen für Modedesign zu bewerben. Bis zu diesem Zeitpunkt wusste ich nicht einmal, dass man das in Reutlingen studieren kann, bewarb mich dort und wurde auch genommen. So fand sich ein Weg aus dem Kostümbereich in die Mode. Anfangs noch sehr experimentell konnte ich während des Bachelors meinen Stil ausprobieren und im Master jetzt verfeinern.

Eine Person viele Gesichter - Cosplay

Eine Person viele Gesichter – Yvonne im Cosplay

Gaffer: Kannst du dein Studium in Reutlingen mit dem von Berlin vergleichen?

Yvonne: In Reutlingen zu studieren war für mich von unschätzbarem Wert, da ich vor dem Studium kaum Nähkenntnisse besaß. Der große Vorteil gegenüber Berlin ist, dass wir von insgesamt 6 Bachelorsemestern 4 Semester Verarbeitungstechnik hatten. Semester 1 lernten wir, wie man ein T-Shirt industriell verarbeitete, die Semester darauf folgten Hose, Hemd und Blazer. Unsere Professorin war sehr pingelig, was im Nachhinein betrachtet jedoch sehr wichtig war.
Da ich den Bachelor in Berlin mit seinen Inhalten ja nicht kenne, kann ich nur von den generellen Ausstattungen sprechen und würde ein Studium in Reutlingen jedem ans Herz legen, der sehr technisch orientiert ist, gerne näht oder vor allem strickt. Für Stricker ist Reutlingen ein Mekka, da Stoll unter anderem einen Rundstricker und diverse Flachbett-Vollautomaten stellt, die die Studenten nutzen können. Die Labore sind einfach um ein vielfaches größer und es gibt zusätzlich zu Nählaboren, Stricklabor, Siebdruck und Digitaldruck noch eine Spinnerei und eine Weberei.
Für Textildesigner ist Reutlingen deshalb auch sehr interessant.
Da der Bachelor in Reutlingen 6 Semester und der Master 4 Semester lang dauert, hatte ich allerdings Probleme beim Hochschulwechsel. Ich besaß zwar denselben Abschluss, jedoch weniger Credit Points, die ich erst aufholen musste. Darauf sollten andere Studenten, die einen Hochschulwechsel in Betracht ziehen auf jeden Fall achten!
Ein Vorteil des Masters in Reutlingen, den ich jedoch gerne genutzt hätte, ist das zweite Praxissemester im Master.
Der einzige große Nachteil von Reutlingen ist jedoch seine Lage. Reutlingen ist nun nicht gerade der Nabel der Welt was Mode angeht. So gesehen konnte man sich sehr gut auf sein Studium konzentrieren und wurde nicht 2x im Jahr von der Fashion Week ‚abgelenkt‘.
Das war auch einer der Gründe, weshalb ich beschlossen habe an die HTW zu gehen. Die Nähe zur Mode, zur Fashion Week und zu vielen Veranstaltungen die es so nun einmal nur in Großstädten gibt.

Arbeiten aus Reutlingen und Bachelor Werke

Experimentell zum Bachelor (Reutlingen)

Gaffer: Wer sind deine Vorbilder?

Yvonne: Da ich mich gerne und viel im Kostümbereich bewege, bin ich immer fasziniert von Filmkostümen. Einen bestimmten Lieblings-Kostümdesigner habe Ich nicht, würde später jedoch gerne beim Film arbeiten. Was Mode angeht zählen Alexander McQueen und Krikor Jabotian zu meinen Favoriten. Ihren Entwürfen haftet immer etwas sehr Elegantes, Feminines und sehr sehr Detailliertes an. Bei McQueen reizt es mich, dass dieses Label auch oft mit dem ‚Makaberen‘ spielt und Anatomie oder auch ganze Vogelflügel oder Geweihe in seinen Outfits unterbringt. Außerdem gefallen mir die Ready-to-wear Teile unglaublich gut, da sie zwar tragbar sind, jedoch unverkennbar dieser bestimmten Marke zugeordnet werden können und Ihre Filigranität behalten.

Gaffer: Du schreibst ja nun schon an deiner Master Thesis, das heißt, du bist auch demnächst fertig mit dem Studium. Hast du schon Pläne? Wie siehst du die Chancen für Modedesign Studenten allgemein in der Branche und was rätst du ihnen?

Yvonne: Über die Chancen für Modedesigner denke Ich jetzt schon eine ganze Weile nach. Für mich stand nach dem Bachelor fest, dass ich mich nicht selbstständig machen will, zumindest jetzt noch nicht. Ich wollte Erfahrung im Beruf sammeln und später dann eine Selbstständigkeit anstreben. Nun musste ich nach dem Bachelor aber schnell feststellen, dass einem ein sehr guter Notendurchschnitt auch nicht weiterhilft, wenn man erst 23 ist, wenig Kontakte bis dato in Berlin hat und sich dann auch noch gegen ein Überangebot von Mitbewerbern durchsetzen muss.

Da ich grundsätzlich aber sowieso den Master dran hängen wollte, überbrückte ich die Zeit zwischen Bachelor und Master mit zwei Praktika, durch die ich mir dann auch einen Großteil der fehlenden Credit-Points anrechnen lassen konnte.
In Berlin generell finde Ich es unglaublich schwierig, zumindest für die Studenten, die eine Festanstellung suchen. Es gibt einfach keine größeren Firmen hier, die meisten Modefirmen sind 2-Mann Labels die sich durch Praktikanten über Wasser halten (müssen). Gut für diejenigen, die ein Pflichtpraktikum absolvieren, schlecht für diejenigen, die Ihren Abschluss in der Tasche haben. Man muss in alle Richtungen suchen, nicht nur Modedesigner als Beruf alleine suchen, sondern auch um die Ecke denken. Dann hat man in Berlin auch Chancen.

Nach dem Master würde Ich gerne Auslandserfahrung sammeln und mein Glück in London versuchen. Die Mode, die ich mache und die mir gefällt, kam und kommt meistens aus Großbritannien, also steht vielleicht bald ein Umzug an.

Arbeiten aus dem Master an der HTW

Arbeiten aus dem Master an der HTW

Einen Rat habe Ich allerdings noch an alle Modedesign –Studenten: Nutzt das Mentoring-Programm der HTW, wenn Ihr könnt, es lohnt sich wirklich! Euch wird ein Jahr lang eine Person als Mentor zur Seite gestellt, die euch bei Fragen unterstützt und euch hilft nach dem Abschluss gut vorbereitet ins Berufsleben zu starten! Ich bin momentan auch in diesem Programm und es erleichtert einem den Sprung von der Uni in den Job sehr, wenn man von erfahrenen Personen Hilfe und Rat bekommt!

Wer Yvonne mal persönlich treffen will, sie ist derzeit im Druckstudio als studentische Hilfskraft unterwegs.

Yvonne: Aber nur noch bis Ende Juli.

Vielen Dank und viel Erfolg!.

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