Neukölln Fashion Night # 3 – ein Abend ganz im Sinne Neuköllns

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nemona flyer

„Die Bar ist heute der schönste Ort hier.“

Das waren die ersten Worte, die ich hörte, als ich das Schwuz zur 3. Neukölln Fashion Night, veranstaltet von dem Bezirksamt Neukölln und dem Modenetzwerk Nemona, betrat und mir, nach einer flotten Fahrradfahrt, eine Cola kaufte.

Diese Einschätzung kann ich letztendlich nicht mit dem jungen Mann teilen, auch wenn die Pausen zwischen den 4 Showblöcken viel Zeit für ausgiebige Trink- oder Rauchpausen ließen.

Selten habe ich eine Veranstaltung erlebt in der die Widersprüche und Charakteristika Neuköllns so deutlich wurden. Beigetragen hat dazu einerseits das Schwuz. An sich schon ein wunderschöner Ort, ist es hier für eine Fashionshow wirklich wie gemacht. Der Industriecharme der ehemaligen Kindl Brauerei passt letztendlich wie die Faust aufs Auge – bricht es nicht einerseits den perfekt weißen Laufsteg und passt andererseits gut zur Kleidung, die gezeigt wird.

Die zwölf Designer_innen zeigen insgesamt sehr tragbare, alltagstaugliche Kleidung, größtenteils lässig und bodenständig. Wir sahen viel bequem wirkenden Jersey, wie z.B. coole Basics bei Kollateralschaden.  Format zeigte zurück genommene elegante Teile mit viel Sinn für schöne Details und Schnitte (die außerdem allesamt fair und ökologisch hergestellt werden). Doch auch klassische Mode (Inger-Sofia Frerichs) oder Einzelstücke wie bei Antoniya Ivanova oder Pau Esteve waren präsent.

Ein Bruch zu der überwiegenden Streetfashion ist das Finale des Abends: Eine 3D Modeperformance des Kollektivs Anaglyph. Ich fühlte mich wie damals als Kind auf der Kirmes, in einem dieser 3D Kino/Erlebnisfilme, in denen das Gefühl durch den Weltraum oder ein Kohlebergwerk zu fliegen nach empfunden wurde. Es ist wirklich wunderschön und alles stimmig: Die Videoinstallationen, Kleidung, Styling und die Bewegungen der Models.

Was den Abend abrundete und wirklich zu einer Neuköllner Veranstaltung machte, waren aber die Menschen. Die tolle Modelauswahl: Sehr unterschiedliche wunderschöne, statt der ewig blonden blauäugigen weißen, Models, was schließlich auch das schöne an diesem Kiez ist.

Und das Publikum: Vom jungen hippen Berliner Modepublikum, mit seiner gewohnt scharfen Zunge bis zu vielen älteren Menschen, die manchmal nicht recht zu verstehen schienen, warum es keine Sitzplätze gab oder wer eigentlich die fancy Personen in Drag waren, die mir persönlich sehr den Abend versüßten. Gefehlt haben mir, wie so oft bei den Kulturveranstaltungen dieser Stadt, die sich nicht konkret um „Integration“ drehen, lediglich die vielen Neuköllner Kids, die so sehr das Straßenbild prägen wie nichts anderes. Aber bei 10 € Eintrittspreis ist das leider nicht drin…

Alles in allem war der beste Ort des Abends auf jeden Fall der Laufsteg!

Antoniya Ivanova – http://www.antoniyaivanova.com, Anyonion – http://www.anyonion.de, Format – http://www.format-favourites.de, Geronimi – http://www.facebook.com/Geronimi.mode, Inger-Sophia Frerichs . http://www.frerichs-biomade.de, JR Sewing – http://www.jr-sewing.de, Kollateralschaden – http://www.kollateralschaden.com, Linnen Annen – http://www.linnenannen.com, Lotta female work and play – lottafemaleworkandplay.se, Nivaka – http://www.nivaka.de, Pau Esteve – http://www.pauesteve.net, Treches – http://www.treches.com

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