************ SONNE, MOND UND KEINE STERNE ************ Eine Erlebniserzählung

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Berlin, Freitag der 20. – genau eine Woche nach Freitag dem 13. . Welches Datum scheint besser geeignet zu sein als der vermeintliche Komparativ dieses von vielen so sehr gefürchteten Tages, um das Spektakel um den prophezeiten Liebesreigen zwischen Sonne und Mond näher zu beschreiben? Zumindest waren die Zeitungen und das Internet voll davon.

Es ist 9.30 Uhr. Ich setze mich auf eine der letzten freien Bänke, die um eine kreisrunde Grünanlage platziert sind. Die meisten Menschen um mich herum tragen seltsame Brillen, die mit einer Folie anstelle von Gläsern ausgestattet sind und blicken permanent nervös in den Himmel. Andere tragen größere Konstruktionen mit Rohren vor ihren Körpern umher und blicken, abwechselnd in der Runde, ebenfalls angespannt in die Luft. Andere heben ganz einfach nur CDs vor ihren Häuptern empor. Habe ich den neusten Modetrend verschlafen oder was ist hier und heute los? Auch Tiere scharen sich und verhalten sich an diesem Tage äußerst merkwürdig. Hunde bellen pausenlos und rennen aufgeregt um die Anlage, Vögel flattern scharenweise von einem Busch zum nächsten und zwitschern nervös in einer rasenden Geschwindigkeit, als ob es das letzte Lied sei, das sie aus ihrem winzigen Leib hervorbringen. Selbst der Springbrunnen in der Mitte der Grünanlage scheint heute nicht zu funktionieren. Jedoch merke ich plötzlich, wie sich direkt daneben ein Wesen von menschlicher Gestalt aus dem Erdboden erhebt. Als auch ich in den Himmel blicke, sehe ich zwei Streifen, die sich unter- und oberhalb der Sonne abzeichnen. Seltsam. Alles äußerst seltsam. Ist es Zufall oder Schicksal, dass sich so viele Kreaturen um diesen Platz, der die gleiche kreisrunde Form wie auch Sonne und Mond besitzt, tümmeln und so merkwürdige Dinge geschehen? Oder ist es gar ein Vorbote der Apokalypse? Wird sich der Himmel sogleich verdunkeln und sich des Mondes Leib vor die Sonne schieben oder diese gar küssen? Ich harre … und warte … und harre … . Wann wird es geschehen? Vor meinem inneren Auge verdunkelt sich plötzlich die gesamte Atmosphäre, alle Geräusche verstummen, die Erde beginnt zu beben. Ich harre weiter … doch – NICHTS. Als ich wieder von meinem To-Go-Kaffeebecher aufblicke, beginnt sich die Menschentraube aufzulösen. Auch der Pegel der Tierlaute hat sich völlig unbemerkt verringert. Die Wasserfontäne des Springbrunnens fängt plötzlich wieder an zu sprudeln. Was ist geschehen? Habe ich was verpasst? Es scheint mir, als würden die Erde und der alltägliche Wahnsinn in der Großstadt plötzlich wieder ihren ganz gewohnten Gang gehen. Nachdem ich eine weitere Stunde auf der Bank verharrt und keine unnormale Veränderung mehr bemerkt hatte, beschließe auch ich den Nachhauseweg anzutreten.

Hatte ich mir alles nur eingebildet? Die vielen Menschen mit ihren seltsamen Utensilien, die sie gegen den Himmel richteten, die aufgeregten Tiergeräusche, der nicht funktionierende Springbrunnen, die Kreatur, die plötzlich aus der Erde stieg, der kreisrunde Platz, an dem sich alles abspielte, das gestreifte Omen am Himmel? Ich weiß es nicht. Eines steht jedoch fest: Die apokalyptischen Reiter waren es nicht. Auch nicht der Weltuntergang. Ich konnte nicht einmal eine Sonnenfinsternis erkennen.

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