Heute mal mit Frau Prof. Anke Schlöder…

fashion & art, minds, professionals

„Wenn man etwas wirklich Sinnvolles machen möchte, ist man in der Mode falsch. Darüber sollte man sich immer im Klaren sein.“


Hallo Frau Prof. Anke Schlöder! Ich begrüße Sie herzlich zu unserer Interview-Serie HEY MENTOR, NICE TO MEET YOU!. Sie sind eins der meist gefragten Professoren an unserer Hochschule, Ihr Name ist in aller Munde. Viele unserer Bachelor- und Masterstudenten würden gerne von Ihnen während der Abschlussarbeit betreut werden und müssen sich schwer um einen Platz bei Ihnen erkämpfen.

Haben Sie eine Meinung dazu warum die Studenten von Ihrer Arbeitsweise so sehr begeistert sind und was Sie bei den Studenten möglicherweise auslösen?

Nun ich denke, die Studenten merken bei mir sehr schnell, das ich die Methodik, nach der ich hier unterrichte, nicht irgendwo kopiert habe, sondern dass ich genau so jahrelang selber in meiner Zeit als selbständige Designerin (1995-2010) gearbeitet habe. Mein Unterricht baut sich auf jahrelange Erfahrungswerte auf. Für mich stellt sich immer die Frage: Wie entsteht Kreativität. Die Voraussetzung ist das Loslassen von gewohnten Denkmustern . Ich muss erkennen, was mich wirklich motiviert. Die innere Motivation ist sehr bedeutend, denn nur ein Handeln aus echter innerer Motivation heraus führt zur Begeisterung bei einem selbst und bei anderen.

Was ist Ihnen bei den Arbeiten von jungen Designern wichtig? Wonach sucht ihr Auge am meisten und wieso?       

Ich glaube fest an die kreative Identität jedes Einzelnen und Authentizität ist für mich das Wichtigste. Denn Mode braucht stetige Veränderung und Veränderung braucht Identität. Identität bedeutet vor allem Unterschieden werden zu können. Das ist ihr eigentlicher Zweck. Eine Arbeit lässt sich nur dann wertschätzen, wenn sie sich erkennen lässt, sich unterscheidet.

Sie haben mal in einem Beitrag in dem Magazin „How to create Originals in Times of Eclecticism“  geschrieben, dass Sie schöne Modefotografien langweilen. Wieso lehnen Sie diese Form von Modedarstellung ab und was für eine negative Konsequenz stellt es sich für Sie, wenn es nur noch kommerzielle Mode gäbe?  

Ich lehne diese Modedarstellung nicht ab. Sie hat in der Modewelt , vor allem in der deutschen, ihre Legitimation. Aber von Studenten erwarte ich was anderes, sie sollen sich ausprobieren und damit ist natürlich auch die visuelle Darstellung gemeint. Wenn es nur noch kommerzielle Mode gäbe, dann wäre das sehr langweilig, da sich jeder gleich ausdrücken würde. Denn Mode ist eine Ausdrucksform. Aber wir sind natürlich nicht alle gleich, das Tolle und das Spannende ist ja, dass wir alle unterschiedlich sind und genauso spannend sollte auch die Mode sein.

Wer oder was hat Ihre Art der Sicht zur Mode und Kunst beeinflusst? Was war der genaue Punkt, wo Sie sich am meisten davon angezogen gefühlt haben?      

Das kann ich nur schwer beantworten. Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, wo es kein Internet, keine Handys und nur wenig TV für uns gab. Das heißt, ich habe ganz natürlich angefangen, Dinge auszuprobieren und meine Leidenschaft war erst das Zeichnen und später das Nähen. Es hat sich für mich richtig angefühlt und es gab für mich nie eine andere Alternative als ein Kunst oder Designstudium.

Sind Sie auch neben Ihrer Arbeit als Professorin noch als selbstständige Designerin tätig? 

Leider habe ich neben dem Unterricht keine Zeit mehr als selbständige Designerin zu arbeiten. Ich hatte es die ersten zwei Semester noch nebenbei versucht, aber durch meine beiden Kinder hat mir am Ende die Zeit gefehlt , beides zu verbinden. Aber ich war ja fast 15 Jahre selbständig und habe sehr viel ausprobiert und mich selbst verwirklicht; daher fehlt mir da alles nicht so sehr….

Sie arbeiten schon seit 6 Jahren als Professorin an der HTW Berlin. Was gibt Ihnen die Kraft immer weiter als Mentor für junge Designer zu arbeiten?

Die Studenten, ohne Frage.

Ihre Kreativität und ihre Leidenschaft für die Mode begeistern mich immer wieder. Ich merke, das mein Unterricht ihnen wichtig ist und das meine Hilfe sie weiter bringt !

Dieses positive Feedback geben mir die Kraft in der akademischen Selbstverwaltung, die die Hochschule für uns Professoren auch mit sich  bringt, nicht zu verzweifeln…

Was hat Sie bis jetzt am meisten bewegt, das Sie in Ihrer beruflichen Laufbahn erlebt haben?

Die 10 Jahre, in denen ich meine Kollektionen 2 mal jährlich in der Madrider Fashion Week zeigen durfte.

Eine letzte Frage noch: Wenn ein Student mal den Sinn der Modewelt verliert, was für einen Ratschlag könnten Sie geben?

Wenn man etwas wirklich Sinnvolles machen möchte, ist man in der Mode falsch. Darüber sollte man sich immer im Klaren sein.

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