ZU BESUCH BEI KNOPF PAUL

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Wenn du auf der Suche nach außergewöhnlichen Knöpfen bist und nebenbei noch eine echte Kiezlegende treffen möchtest, bist du bei Knopf Paul in Kreuzberg genau richtig.

Im schönen Bergmannkiez gelegen befindet sich ein kleiner, von Außen betrachtet eher unscheinbarer Laden, randvoll mit Knöpfen. Beim betreten des kleinen Geschäftes werde ich kurzzeitig ein wenig von der Masse an Formen und Farben erschlagen, was sich aber schnell in Begeisterung fürs Detail umwandelt. Ordentlich einsortiert in Glaskästen, Vitrinen, Schubladen, Schaukästen und kleinen Kramkisten findet sich eine riesige Auswahl an Knöpfen aus den verschiedensten Materialien wie Leder, Perlmutt, Glas, Büffelhorn, Kokosnuss oder auch aus alten Schreibmaschinentasten gefertigt. Viel antiker Kram wie zum Beispiel historische Uniformknöpfe. Gesammelt wurden sie über Jahrzehnte.

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Paul kreiert und fertigt aber auch Knöpfe selber an. Da gibt es Knöpfe aus exotischen Rohstoffen wie die Steinnuß aus Equador. Weiterhin bestückt den Laden noch ein reichhaltiges Sortiment an Kurzwaren wie Nieten, Ösen, Nähseide und Zwirn, Borten und hochwertige Metallschnallen in diversen Formen. Als ich schon fast vergessen habe was ich eigentlich hier wollte, kommt Paul auf mich zu. Geduldig hört er sich mein anliegen an und steht mir Beratend zur Seite. Ich beginne ihn nebenbei ein wenig über die Entstehungsgeschichte seines Knopfbusiness auszufragen. Als hätte es einen Startschuss gegeben fängt er gleich an fröhlich loszuplaudern. Seit mehr als dreißig Jahren sammelt, tauscht und produziert Paul nun schon Knöpfe. Mit jungen 16 Jahren übernahmen er und sein Schulkamerad Fränzchen das Sortiment eines aufgelösten Knopfladens, um nebenbei Geld zu verdienen. Sie tauschten und verkauften Knöpfe auf Berliner Wochen- und Flohmärkten. Nach und nach häuften sich immer mehr Knöpfe an und schließlich eröffnete Paul 1979, seinen ersten kleinen Knopfladen in der Schöneberger Leberstraße 14. Da das Knopfimperium immer weiter wuchs, musste bald eine größere Lokalität her und es ging in die Zossener Straße mit ca 24qm Verkaufsfläche. Die Knöpfe sind hier wirklich bis fast an die Decke gestapelt und es gibt noch einen Keller und ein kleines Lager im Hinterzimmer. Genau konnte Paul meine Frage nach der Anzahl der Knöpfe nicht beantworten,was bei der Masse auch eher schwierig ist, aber es werden wohl an die 100.000 verschiedene Sorten sein meint er. „Du bist aber nicht vom Finanzamt oder?“ fragt Paul mit einem verschmitzten grinsen.

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Überhaupt scheint der Knopfverkäufer aus Leidenschaft ein sehr interessanter und hilfsbereiter Mensch zu sein, arbeitet nebenher an ganzen vielen Kunstprojekten, überwiegend Objektkunst, aber auch Theaterdekoration oder er produziert Manschettenknöpfe für Kostüme. In der Kreuzberger Kunstszene ist er sehr etabliert. „Entweder die Leute lieben mich, oder sie hassen mich, dazwischen gibt es nichts“ platzt es aus ihm raus. Ein Projekt was morgen ansteht ist die Hochzeit seiner Freundin Friederike Van Meer, die als eine umgeschriebene Dornröschengeschichte stattfinden wird. Eine Art Theaterstück, bei dem Pauls Firmenwagen ins Spiel kommt. Hierbei handelt es sich um einen ganz speziellen Wagen –ein blauer Leichenwagen. Dieser kam wohl auch schon auf einigen Demos zu DDR Zeiten oder auch mal auf der Kölner Domplatte zum Einsatz. Paul hat wirklich viele Geschichten zu erzählen und man hört ihm sehr gerne dabei zu.
Im Bergmannkiez fühlt er sich nach wie vor immer noch pudelwohl, Kreuzberg findet er allgemein sehr “dufte“, in Friedrichshain und Prenzl’berg sind ihm zu viele Schwaben und die Mieten unverschämt hoch. Sein Vermieter hat zum Glück ein Herz für Handwerker wie er sagt, sodass er wahrscheinlich bald das Ladenlokal nebenan dazu übernehmen kann. In dem kleinen Laden herrscht eine Menge Verkehr für einen Donnerstag mittag . Ein älterer Herr holt seine Jacke ab, die er mit neuen Knöpfen ausstatten lassen hat. Auch so einfache Kundenaufträge nimmt der Knopfkönig sehr gerne an. Die Preisspanne der Knöpfe liegt zwischen 0,20 Cent bis 20 Euro pro Knopf, letzteres natürlich eher für die antiken Stücke, die teilweise über 100 Jahre alt sind.
Um die perfekte Beratung zu gewähren, hätte Paul gern, dass seine Kunden immer ihr zu “beknopfendes“ Kleidungsstück mitbringen, denn Farben und Formen müssen miteinander harmonieren sowie auch Material und Größe. Der Knopftyp muss aber auch zur Person passen, zur Haarfarbe, Augenfarbe, auf all das achtet Paul.
Es lohnt sich auf jeden Fall mal bei Knopf Paul vorbei zu schauen und das nicht nur zum Knopfkauf.

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Knopf Paul
Zossener Str. 10, 10961 Berlin
www.paulknopf.de

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