Ausstellung im Berliner Bunker

berlin, exhibitions, fashion & art

Noch lässt der Frühling auf sich warten und sehnsüchtig freuen wir uns über jeden einzelnen Sonnenstrahl. Um die Zeit des etwas unbeständigen Wetters zu überbrücken, empfehlen wir sich die Ausstellung im Boros Bunker Berlin anzusehen. Einfach online eine Führung reservieren und ab nach Berlin Mitte.

Im Jahr 2003 kauften Christian und Karen Boros den Bunker nahe der Friedrichstraße, errichteten auf dem Dach eine Penthousewohnung und gestalteten die fünf Etagen, die sie als „Kelleräume“ anmelden mussten, in ein Privatmuseum um. Die Sammlung zeitgenössischer Kunst umfasst Werkgruppen internationaler Künstler von 1990 bis heute. Seit 2008 werden Ausschnitte der Sammlung auf 3000 qm in 80 Räumen der Öffentlichkeit gezeigt. Jede Ausstellung dauert vier Jahre an und dann gibt es wieder einen Wechsel. So konnte man die erste Auswahl von 2008 bis 2012 anschauen und bis Ende 2016 präsentiert die aktuelle Schau Arbeiten der frühen 90er Jahre in Verbindung mit aktuellen Neuerwerbungen. Alle Medien, wie Skulptur, Installation, Malerei, Zeichnung, Video oder Fotografie sind vertreten.

Das Besondere ist, dass die meisten Künstler ihre Werke eigenständig im Bunker installieren. So bekommt man nicht nur einen Blick auf das Werk, sondern gleichzeitig kann man es aus dem Auge des Künstlers wahrnehmen.

Viele der aktuellen Installationen bedienen sich dem Thema Sound, so dass der Besucher auf jeder der fünf Bunkeretagen mit unterschiedlichen und sich überlagernden Geräuschen konfrontiert wird. Ein bisschen eigenartig ist es schon, aber es macht den Besuch des aus purem Beton bestehende Bunkers zu einem ganz besonderen Erlebnis.

Bevor die Führung durch die Sammlung beginnt, sitzen wir in der Eingangshalle. Aus Sicherheitsgründen kann der Bunker nur in Gruppen von bis zu 12 Personen je Führung besucht werden. Dadurch bekommt man als Besucher viele Informationen mit und hat die Möglichkeit spezifische Fragen zu stellen. Wir bekommen einen interessanten Einblick in die Geschichte des Bunkers. Die Fakten möchte ich euch nicht vorenthalten:

Geschichte des Bunkers

1942 Bau des Bunkers als Schutzraum für Zivilbevölkerung durch Zwangsarbeiter.
1945 Besetzung des Bunkers durch die Rote Armee und Nutzung als Kriegsgefängnis.
1949 Nutzung als Textilienlager.
1957 Lagerung von importierten Südfrüchten aus Kuba durch den „Volkseigenen Betrieb Obst Gemüse Speisekartoffeln“.

Die Bevölkerung nennt das Gebäude „Bananenbunker“.

1992 Der Bunker entwickelt mit Techno-Musik und Fetisch- und Fantasy-Parties sein Image als härtester Club der Welt.
2003 Christian Boros kauft den Bunker, um ihn für seine Sammlung umzubauen.
2007 Fertigstellung des Umbaus und erste öffentliche Präsentation von Installationen.
2008-

2012

„Sammlung Boros #1“ Erste Ausstellung von Werken aus der Sammlung Boros mit 120.000 Besuchern und über 7.500 Führungen.
2012 „Sammlung Boros #2“

Gleich im Erdgeschoss steht in drei Räumen eine tönende Installation von Alicja Kwade. Sie hat an die Leuchtstoffröhren an der Decke kleine Mikrofone angebracht, die das Brummen der Leuchtstoffröhren abnehmen und an Lautsprecher übertragen. In einem anderen Geschoss hört man die Zeit ticken. Beim Gang durch das Gebäude fragt man sich oft, woher die einzelnen Geräusche kommen und was zum Vorschein kommen wird.

Der ganze Bunker ist wie in einzelne Zimmer geteilt, die ab und an von mehr als einer Etage zu erblicken sind. Während der Führung habe ich schon längst die Orientierung verloren. Es geht durch jedes Stockwerk und alles sieht sehr ähnlich aus. Natürlich nicht die einzelnen Installationen, denn die haben Wiedererkennungswert!

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Klara Lidén Teenage Room, 2009

Leicht schaurig ist Klara Lidéns „Teenage Room“. Man kann durch ein Loch hineinkriechen oder tritt durch eine Tür ein, an der mit Flaschenzug ein Beil befestigt ist. Wird die Tür geöffnet, zieht sich das Beil nach oben und knallt herunter, sobald man die Türklinke loslässt. Das ganze Bett ist schwarz und voller Ruß. Man fängt an sich die unheimlichsten Geschichten zum Anblick auszudenken.

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Spinnennetz von Tomás Saraceno

Wie ein „Spinnennetz“ spannt Tomás Saraceno die Schnüre seiner Installation durch den Raum. Das Werk ist von allen Seiten zu betrachten und sogar von zwei verschiedenen Stockwerken.

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weitere Werke

Die riesige Installation einer Baumwurzel von Ai Weiwei musste mit enormen Aufwand mit Seilen und Ketten in das 3. Obergschoss gezogen werden, wofür sogar Balkonbrüstungen weichen mussten. Nun sieht Ai Weiweis „Tree 2011“ aus abgestorbenem Sumpfholz, zusammengehalten von dicken Schrauben, so aus, als sei er genau für diesen Raum entstanden.

Ai Weiwei Tree, 2009-2010

Schon von Weitem hat man einen vertrauten Geruch in der Nase. Und beim Voranschreiten, betritt man einen Raum voller Popcorn. In dessen Mitte eine arbeitende Popcornmaschine steht. Ich frage mich mal wieder, was das mit Kunst zu tun hat. Aber der Kunst sind nunmal keinen Grenzen gesetzt und einige Werke sollen anscheinend skurril auf den Betrachter wirken und ihn zum Denken einladen. So zum Beispiel auch das Betrachten eines Berliner BSR Mülleimers, der im Raum hing neben einiger weiterer Mülleimer.

Popcorn/Baum

Arbeiten von Michael Sailstorfer

Die Arbeiten von Michael Sailstorfer sind dem alltäglichen Umfeld entnommen: das Puffen der Popcornmaschine, das Rauschen von Laub eines kopfüber auf dem Boden schleifenden Baumes und das permanente und das Schleifen eines rotierenden Autorades an der Bunkerwand. Der Baum soll noch grüne Blätter gehabt haben, als er installiert wurde. Nun ist es nach mehr als drei Jahren nur noch ein vertrockneter Baum. Das Geräusch löst bei mir beim ersten Mal eine Gänsehaut hervor.

Die Austellung ist von einer ganz besonderen Art, denn sowohl die Installationen als auch die Atmosphäre des alten Bunkers sind einmalig.

Ich denke der 4-Jahresrhytmus der Austellungen ist auch sehr gut gewählt und wer die jetzige Schau noch sehen will, sollte dieses Jahr 2016 dazu nutzen.

KÜNSTLER DER AUSSTELLUNG

Ai Weiwei
Awst & Walther
Dirk Bell
Cosima von Bonin
Marieta Chirulescu
Thea Djordjadze
Olafur Eliasson
Alicja Kwade
Klara Lidén
Florian Meisenberg
Roman Ondák
Stephen G. Rhodes
Thomas Ruff
Michael Sailstorfer
Tomás Saraceno
Thomas Scheibitz
Wolfgang Tillmans
Rirkrit Tiravanija
Danh Vo
Cerith Wyn Evans
Thomas Zipp

Es werden 1,5 stündige Führungen von Donnerstag bis Sonntag angeboten. Die Führungen finden jeweils zur ganzen Stunde auf Deutsch, zur halben auf Englisch statt.

Der Eintritt kostet 12 Euro pro Person / ermäßigt 6 Euro zB. Studenten 😉

Der Besuch der Sammlung ist nur nach Voranmeldung auf dieser Website möglich. (Jetzt Führung buchen.)

 

Sammlung Boros

Bunker, Reinhardtstr. 20

10117 Berlin-Mitte

 

„Viele der Arbeiten haben wir mehrere Jahre nicht gesehen. Es ist eine spannende Herausforderung, die Künstler und ihre Werke in diesem Gebäude zusammenzubringen und einen Dialog mit den Künstlern und mit den Besuchern zu initiieren. Dass die Künstler uns bei diesem Prozess unterstützen, bedeutet uns viel. “

Karen Boros

 

Christian und Karen Boros © Wolfgang Stahr

Christian und Karen Boros © Wolfgang Stahr

 

Wer mal sehen möchte, wie die Familie Boros lebt, findet hier einen tollen Artikel über das „Leben im Berliner Aussichtbeton“

http://www.zeit.de/lebensart/2013-06/fs-christian-und-karen-boros-fvf-2

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