Berlin als Modestadt – Wie entwickelt sie sich?

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Ein Rückblick auf die Mercedes Benz Fashion Week Berlin 2016 und die Entwicklung Berlins als Modestadt als Thema bei der Bauhaus-Archiv Veranstaltung „Aktuelles Modedesign aus Berlin“.

Diese Themen befasste am Mittwoch (06.07.16) die Podiumsdiskussion „Aktuelles Modedesign aus Berlin“, organisiert aus der Veranstaltungsreihe „Textildesign heute“ in Kooperation mit dem Bauhaus-Archiv / Museum für Gestaltung, der Burg Giebichenstein, Kunsthochschule Halle und des Stadtmagazins TIP Berlin.

Mittwochabend um 19:00 Uhr versammelten sich einige Mode-interessierte Gäste aus unterschiedlichen Branchen, um gebannt dem aktuellen Thema Aufmerksamkeit zu schenken. Geleitet wurde die Podiumsdiskussion von Stefanie Dörre (Chefredakteurin, Stadtmagazin tip Berlin).

Zu Gast waren:

Melissa Drier                   (Berlin-Korrespondentin, Modenachrichtendienst Womens Wear Daily)

eine erfahrene New Yorker Modejournalistin, die seit 1985 Berlin als Modestadt miterleben durfte und daher zu einer der wichtigsten Modejournalistinnen Deutschlands zählt

Jennifer Brachmann      (Modedesignerin, Gründerin des Labels Brachmann Menswear)

studierte Architektur und danach Modedesign und kombiniert heute ihr Wissen über Gestaltungsprinzipien, wie das räumliche Denken, Ebenen und Flächen, in ihre Kollektionen

Ann-Kathrin Carstensen  (Modedesignerin, Mitbegründerin des Labels RITA IN PALMA)

legt ihren Fokus in der Mode, mit ihrer Mitbegründerin Ana Nuria, auf gehäkelten Schmuck und Accessoires inspiriert von hochwertiger, fast vom Aussterben bedrohten, türkischen Handarbeit. Gleichzeitig verfolgt sie soziale Projekte und engagiert sich für Integration durch Mode.

Otto Drögsler & Jörg Ehrlich   (Modedesigner, Gründer, Modelabel ODEEH)

Seit 2008 stehen Otto Drögsler und Jörg Ehrlich mit ihrer Modemarke ODEEH für rar gewordene Atelier-Tradition. Die Kollektionen des in Giebelstadt bei Würzburg ansässigen, erfolgreichen Modelabels werden weltweit in ausgewählten Modegeschäften vertrieben. Der einzige eigene Markenstore, der ODEEH Space, befindet sich im Bikini Berlin.

 

Eine weitere Mercedes Benz Fashion Week Berlin (MBFWB) ist vergangen und erneut reflektiert man die Entwicklung Berlins als Modehauptstadt Deutschlands und International. Durch die Erfahrungen der Podiumsgäste wird darüber analysiert und diskutiert.

Die MBFWB existiert bereits seit 9 Jahren in Berlin und begann mit einem klassischen Runway im weißen Mercedes Benz Zelt am Brandenburger Tor. Laut Melissa Drier war es anfangs manchmal nicht ganz einfach für die Berliner Labels mit dem klaren leeren Raum des Zelts zu spielen, doch über die Jahre lernen die Designer dazu. Bald konnte man seine Kollektion auch auf der „Stage“ im Zelt präsentieren, was den Designern die Möglichkeit bietet ihre Mode als Happening darzustellen. Anfangs waren vor allem kommerzielle Modehäuser auf der MBFWB Präsenz, doch diese denken mehr in der Masse und Trends werden großflächig abgedeckt. Was eine Modestadt aber ausmacht ist der Reiz in der Mode. Danach suchen vor allem internationale Modejournalisten.

„Mode wird interessant, wenn sie aufregend wird“ (Melissa Drier)

Man sucht nach neuen Kreationen, einer klaren Zielrichtung und einer Handschrift. Das macht eine Modestadt aus und diese Fashion Week hat gezeigt, dass Berlin als Modestadt eine Qualitätssteigerung erfahren hat.

Mit jeder Fashion Week entwickelte man sich und seit ein paar Saisons trauen sich Labels ihre eigene Offlocations zu organisieren. Neben frei gewählten Locations besteht seit 3 Saisons auch der me Collectors Room als Kooperationspartner für Designer. Wir wissen alle, dass es nicht einfach ist mit New York und Paris mitzuhalten, aber Erfahrung braucht Zeit und Übung. Auch diesen Standpunkt vertreten am Mittwochabend alle Gäste einstimmig. Durch die Offstages wurde der Wert der MBFWB um einiges gesteigert. Melissa Drier kennt Berlin schon lange als Modemetropole und sieht einen großen Sprung in der Entwicklung der Designer. Sie sprach von der besten Fashion Week Berlins – und Melissa definierte sich an dem Abend selbst als „Frau Aber„.

Als gutes Beispiel wurde die Show von ODEEH genannt. Sie wählten eine gewagte Offlocation im neuen Berliner Stadtschloss, das bis jetzt noch ein riesiger Betonrohbau ist. Es war ein großes Risiko das sie damit eingegangen sind, aber ODEEH hat die Location und die Mode miteinander kombiniert und eine Brücke gebaut. Das Label hat einen Schritt gewagt, welcher sehr positiv für Berlin ist. Mit ihnen hat die MBFWB einen neuen Rahmen an Möglichkeiten erhalten. Es wird spannender durch experimentierfreudigere Locations, aufwendigere, ins Detail geplante Fashionshows und die dadurch entstehende Gewichtung auf den Charakter der Labels.

Loose more polish!“ (Melissa Drier)

Für Berlin ist es ein riesengroßer Schritt in die Modewelt. Designer müssen ernst genommen werden, um mithalten zu können im Modemarkt – und die Fashion Week ist eine Plattform dies zu beweisen.

ODEEH SPRING | SUMMER 2017 DEFILEE (1 min) 

https://www.youtube.com/watch?v=0yd4DCaG8gY

 

MARINA HOERMANSEDER SPRING | SUMMER 2017 DEFILEE (1 min)

https://www.youtube.com/watch?v=7zEnyfAVRh8

Aber auch andere Plattformen werden in Berlin gerade aufgebaut. „Der Berliner Mode Salon“ ist eine nachhaltige Förderung für Modedesigntalente, um neue, selbstbewusste und anspruchsvolle deutsche Mode international zu integrieren. Sie bieten eine Plattform für Designer an, um ausgewählte Stücke präsentieren zu können. Man erhält einen Gesamteindruck der Kollektion in einer ruhigen Salon Atmosphäre und kommt in den Kontakt mit den Designern sowie Luxus-Kaufhäusern und Concept Stores. Der kommunikative Austausch auch untereinander zwischen den Designern hilft Erfahrung zu sammeln und voneinander zu lernen. Auch dies ist neu und ein großer Fortschritt für Berlin.

Mercedes-Benz Fashion Week Berlin SPRING/SUMMER 2017 in Berlin am 28.06.2016

Feature Mercedes-Benz Fashion Week Berlin SPRING/SUMMER 2017, Der Berliner Modesalon im Kronprinzenpalais in Berlin am 29.06.2016 Foto: Nass / Brauer Photos fuer Mercedes-Benz

 

DER BERLINER MODE SALON | GROUP EXHIBITION SPRING | SUMMER 2017 (1 min)

https://www.youtube.com/watch?v=gb-fItlQHfg

Im Januar 2015 wurde die Modecommunity „der Fashion Council Germany“ in Berlin gegründet und beginnt gerade aktiv zu werden. Er bietet eine neue wichtige internationale Modeförderung für deutsche Designer und Talente.

„Junge Designer bekommen eine seriöse Plattform und etablierte Designer bekommen besseren aktuelleren Kontext“ (Brachmann)

Die neuen Plattformen helfen Berliner Designern, nicht mehr wie früher, Lokal zu denken, sondern International! Und das ist die Möglichkeit für Berlin als Modemetropole neben New York und Paris mithalten zu können.

Im Publikum saßen viele junge Modedesigner. Die, die es bereits sind und die, die es werden wollen. Es stellte sich die Frage, wie wird ihnen geholfen? Die Antwort von Melissa Drier war: „Es kann nicht jedem geholfen werden, jetzt zumindest noch nicht“.

Wie die Mercedes Benz Fashion Week Berlin ihre Zeit gebraucht hat, um Erfahrung zu sammeln, brauchen es auch die neuen Modedesignförderungen. Beginnend damit den bereits in Berlin etablierten Designern ein Sprungbrett in die internationale Modewelt zu bieten. Was dann noch fehlt ist eine Plattform für Studenten ihr Talent präsentieren zu können. Einen Anfang hat bereits die ebenfalls noch junge Berlin Alternative Fashion Week gezeigt. London ist uns da aber bereits ein paar Schritte voraus, aber das bedeutet auch genug Sponsoren an den richtigen Ecken, Zeit und Erfahrung!

Bis das realisiert werden kann, gaben die eingeladenen Designer den Zuhörern einen Tipp auf den Weg:

„Junge Modedesignstudenten werden manchmal zu schnell selbstständig und verrennen sich schnell“ sagt ODEEH. Ein Modebuisness aufzubauen erfordert viel Zeit und Erfahrung. Das Know-How kann man sich nicht sofort aneignen. Man muss sich ein Netzwerk aufbauen und dabei ist es wichtig zuvor in anderen Firmen gearbeitet zu haben. Es ist gefährlich wenn man sofort einsteigen will, weil man schnell ins Rudern kommen kann und dann besteht die Gefahr kommerziell zu denken, um Erfolg zu erzielen. Aber das ist nicht der richtige Weg für den Erfolg als Designer. Man sollte seine Handschrift behalten und sich etwas trauen. Denn genau das macht einen Designer aus, nicht in der Masse unter zu gehen.

Es ist aber alles noch sehr jung und am Aufbauen, aber wir können gespannt sein wie sich Berlin als Modestadt in den nächsten Saisons noch weiter entwickeln wird!

 

 

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