Die Rolle des Gürtels beim Wintermantel und die Rolle des Mantels im Winter allgemein

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Mein erster Wintermantel wird in diesem Winter dreizehn Jahre alt. Sein Design ist dermaßen zeitlos, dass ich ihn immer noch tragen kann. Damals war ich vierzehn, es war mein Geburtstag und nach all den Anoraks und Steppjacken, hat meine Mutter entschieden, dass ich jetzt einen klassischen Wintermantel aus Wolle brauche. Wie groß fühlte ich mich auf einmal. An das Bummeln und Suchen errinere ich mich noch als wenn es gestern wäre, so wie an die Überlegungen welche Form, Länge, Farbe oder Dicke es braucht. Es war 2003, strenge X-Form mit Pelzkragen in Pink war gerade die Extravaganz, vor denen meine Mutter aber immer weglief. Sie hatte sich etwas schlichteres und eleganteres vorgestellt – bis wir den einen vor uns hatten: Rot mit acht mittelgroßen Knöpfen, einem Stehkragen, zwei Taschen und Länge genau über die Knie. XS hätte mir damals besser gepasst, aber der klassische Fehler “Lieber nicht zu eng damit noch ein dicker Pullover drunter Platz hat”, hat uns zu der Wahl der Größe S bewogen, so dass er mir vom ersten Tag an ein Tick zu groß war. Trotzdem fühlte ich mich toll darin.

Yohji Yamamoto sieht ein Wintermantel als die Rüstung einer Frau. Wie das lateinische Wort mantellum “Hülle und Decke” bedeutet, fühlte auch ich mich geschützt und geheimnisvoll. Eine Beziehung mit dem Mantel wird oft zu einer Heirat, ein Mantel meint es ernst. Andere Teile der Garderobe kommen und gehen nach Laune und Trends, aber ein Mantel muss zu dem Charakter passen.

Wie Viviene Westwood meinte, kaufen sie weniger ein und wählen dafür besser aus, gilt gerade hier in besonderen.

Im 19. Jahrhundert sind die ersten modernen Mäntel entstanden. Es ist die Blütezeit der englischen Schneiderkunst, die mit ihren Schnitten die Herrenmode revolutionierte. Der Mantel rundet das Erscheinungsbild ab. Schon immer diente er zur Demonstration einer den schönsten Gesten eines Gentlemens, nämlich der Dame aus ihm heraus und herein zu helfen.

Die Bühnen- und Kostümbildnerin Olga von Wahl nennt ihn “Eine Säule der Macht“, ein Mantel kann sein wie eine Wand. Ein solcher Mantel flattert nicht, er bedeutet.

In den kommenden Monaten wird es nicht wärmer. Die Zeit des Trotzens mit Pulli unter der Lederjacke ist vorbei, jetzt heisst es den Mantel auszuführen. Für das persönliche Erlebnis bindet man am besten einen breiten Gürtel um die Taille und trägt den Mantel eng am Körper. So fühlt sich das Tragen an wie eine Urmarmung, und der Gürtel schenkt einen besseren Halt, wärmt den Rücken und die Nieren. Falls des Mantels Form oder Material zu speziell ist als dass ein Gürtel ihn stört, kann man diesen immer noch unter dem Mantel über einem Pulli oder Hemd verstecken. Besonders wenn der Gürtel ein bisschen oller ist, trage ich den lieber drunter, dann werden beide, der Gürtel wie der Mantel zu einem Team:

“Du Mantel schützt mich vor Wind und Kälte und versteckst ein olles Geheimnis das mich so wärmt.”

Wenn ihr wüsstet, was für einen bequemem und hübschen Gürtel ich unter meinem warmem Mantel habe, ihr habt keine Ahnung wie gut sich das anfühlt!

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