HARAM – HALAL

2017, berlin, culture, Design, minds

Es ist das Thema der letzten Jahre. Der aus dem Islam stammende Einfluss auf Mode, Trends und Produkte. Die auf den Markt gebrachten Hijabs von H&M und Mark&Spencer, die goldenen Henna Tätowierungen, oder folgendes Zitat aus der “Culture Starved “Blog:Runways featured the traditional heavy eyeliner, turbans, beaded headbands, floor length conservative gowns (a long awaited break from the trend of mini-everything) and in a twist of events, Islamic female designers presented their collections in New York, London, Paris and Milan, the fashion capitals of the world. This star position will surely further inspire future fashion trends towards the Islamic values that women are most respected when their body is a secret from the world”

Gut, es liess mich ganz unberührt, es ist nicht mein Thema oder Kultur, aber immer noch mit Verständnis für die Modeketten, die jetzt eine Nachfrage muslimischer Frauen befriedigen wollen. Bis vor kurzem, als eine Clique türkischer Jungs mir und meiner Begleitung nachriefen:

Pass lieber auf deine Frau auf. Haram, haram! “ Ich hatte ein kurzes Kleid an, Stiefel, Pullover und Jacke. Die Länge des Kleides gehörte aber schon in die HARAM Kategorie, ein neues Jungwort muslimischer Teenager, das für alles was “Sünde” ist steht, für alles was zu viel Haut zeigt, oder allgemein einem islamischen Lebenstil als zu unmoralisch angesehen wird. Dazu gehören neben Ausschnitte oder kurze Röcke auch das Trinken von Alkohol, rauchen der Wasserpfeife, kurz, alles was laut der Scharia verboten ist. Das Gegenteil von Haram heisst HALAL, zu verstehen als “in Ordnung, erlaubt”. Dass Jungs das “Haram” für Frauen strenger auslegen als für sich selbst ist jetzt nicht das Thema, nur so locker wie sie diese Regeln für sich halten, so frei fühlen sie sich (nach meiner Recherche österreichischer Schulen mit gemischten Klassen) Mädchen gegenüber, die sich nach klassischen westlichen Standards anziehen, sie nämlich als Haram zu bezeichnen und täglich zu beschimpfen. Die Knaben sind jung, unsicher, und spüren durch die Bevormundung die Illusion von Macht.

Auf einmal wurde ich auf den islamischen Einfluss in der Mode sensibilisiert. Noch vor zwei Jahren las ich in dem gleichem Blog “ Culture Starved”: “However, it would seem that Islam and fashion are two things that would not go together. Yet, upon closer consideration we find that they do in fact envelope one and other. Islamic fashion and the rights of Islamic women go hand in hand. In periods of time when women had freedom in their fashion choices, they also had power.”

Ein solches Gleichgewicht wäre eine interessante Situation, wenn das Mysteriöse, irgendwo auch elegante dieser Mode eine Balance zu der immer weiteren Objektivierung und Sexualisierung der Frau in der westlichen Kultur ergäbe.Wie Madonna in ihrer Rede nach der Preisverleihung … ganz deutlich sagte : you have to look and sell yourself as a slut, but you are not allowed to own that slutness.” Wie wir auch ohne Madonna in jedem zweiten Videoclip, die oft einem softporn gleich produziert, sehen können, oder welches auch die Fetishtrends von Harnesses und Choker gut demonstrieren.

Aber gibt es so ein Gleichgewicht? Nein, es gibt nur eine Spannung. Über welche auch Spiegel berichtete: “Deutsche Frauen ziehen sich heute bedeckter an, weil sie sich so sicherer fühlen.” 

…”In periods of time when women had freedom in their fashion choices, they also had power.”

Ich wünsche mir, dass wir diese Power behalten oder wiederfinden.Im Moment spüre ich die Tendenz, dass wir die Macht über uns selbst langsam mehr und mehr verlieren. Im Showbusiness am besten fast nackt, im Alltag wieder lieber vorsichtig sein.

Ich wünsche mir dass uns Designer bewusst ist, dass mit jedem modischem Zitat aus dem Islam auch das Haram Diktat unterstützt wird.Und nicht wie unlängst Vivienne Westwood’s Burkas (für Herbst/Winter 2018), welche zwar dem Zeitgeist entsprechen, aber keine gute Provokation in Bezug auf einer individuellen Freiheit darstellen. Vielleicht übertreibe ich?

Ich will nur, dass bevor uns Ideologien vorschreiben was Mode sein darf, wir als Designer uns darauf besinnen sollten nicht als angegriffen Betroffene zu reagieren, sondern wie gewohnt zu agieren, um weiterhin handlungsfähig, souveräne Avantgarde zu bleiben. Und im Privaten nicht aus Wut oder Trotz kurze Kleider tragen, weil mir niemand zu sagen hat was Halull oder Halam ist, obwohl ich sonst in Hosen und T-Shirt bleiben würde.

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