PINIAK: „Das ist meine Welt, ich bin Schuhe“

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Heute haben wir einen polnischen Bekannten getroffen, namens „PINIAK“ . Piniak (Przemyslaw Pinski) gehört zu der polnischen Avantgarde der Kunst- und Designszene. Seine Schuhkreationen haben in Warschau den Status eines Insider- Must Have’s erreicht und jedes Werk trägt eine andere Geschichte. Seit Kurzem unterrichtet Piniak als Gastdozent Industrial Design, mit Fokus auf Schuhdesign an der Kunstuni in Stettin. Gaffer hat ihn getroffen, um ihn zu seiner Schuhleidenschaft, Ästhetik, sowie Handwerk und seiner Erfahrung zu befragen. Im Gespräch mit Roman von Gaffer.

Gaffer: Piniak, wer bist du eigentlich? Künstler, Designer oder Schuster?

Piniak: Ich kann es nicht so richtig sagen. Ich vermute ich bin eine Mischung aus allem… [Lacht]

Um mich nur Designer zu nennen, müsste ich wahrscheinlich nicht so tief in das Produktionsverfahren eintauchen, welches mich aber so sehr interessiert. Wäre ich ein Schuster, hätte ich die Schuhe wahrscheinlich viel einfacher und schlichter gestaltet. Da ich jetzt neu in der Rolle eines Dozenten bin, lerne ich selbst immer wieder etwas neues kennen. Um die Designs meiner Studenten zu realisieren, muss man oft neue, innovative Techniken verwenden.

Und ja… Künstler bin ich auf jeden Fall. Mich interessiert eine Geschichte. Jedes Projekt ist neu und erzählt etwas anderes. Der gesamte Prozess, wie man zu einem Entwurf kommt, ist mir sehr wichtig. Von der Inspiration, über die Recherche, bis hin zur konstruktiven Arbeit.

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Gaffer: Warum Schuhe? Wie kamst du auf die Idee Schuhe zu machen und wie hat es angefangen?

Piniak: Da ich selbst Industrial Design studiert habe, musste ich unterschiedliche Projekte umsetzen. Von Kaffeebecher bis Möbel. Von allem war etwas dabei. Ich war immer interessiert an Mode und habe damals zusätzlich Modedesign studiert. Ich habe mir den gesamten Look nicht ohne das passende Paar Schuhe vorstellen können. Und das war der Anfang. Es war nicht einfach an die Technik heranzukommen. Ich musste an vielen Türen klopfen und fragen, welcher Schuster bereit wäre mir zu helfen. Zunächst waren sie für mich nur ein Accessoires der Modekollektion. Danach habe ich bemerkt, dass sie viel zeitloser als die Klamotten sind und für mein Design alleine sprechen.

Einige Jahre später, sprachen Freunde und Bekannte von den „Klassiker von Piniak“. Da alle Schuhe von mir handgefertigt sind, hat das auch etwas gedauert bis ich die Erfahrung gesammelt habe. Die Schusterszene ist auch heutzutage viel kleiner, als vor einigen Jahren. Und es hat etwas besonderes an sich, ein Handwerk zu erlernen, welches es in dieser Form noch selten gibt. Meine Schuhe sind meine Schätze. Sie entstehen durch den magischen Prozess wenn ich mit dem Leder in Kontakt komme. Dabei profitiere ich von meiner Vergangenheit. Ich war schon immer ein Sammler. Schon als Kind habe ich alles mögliche gesammelt.

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Gaffer: Deine Ästhetik. Es hat etwas osteuropäisches an sich… Ein bisschen zu bunt, verrückt, übertrieben? Auf keinen Fall kommerziell und langweilig. Wie siehst du das?

Piniak: Du hast recht, es ist bunt. Ob es zu bunt ist, weiß ich nicht… Wie ich schon gesagt habe, bin ich auch ein Künstler. Ich lebe in dieser Ästhetik und ich denke nicht viel darüber nach, ob es übertrieben ist oder nicht.

Als Kind wollte ich stets anders als meine Freunde sein. Ich fühlte mich immer, als wären wir in einem Wettbewerb und ich wollte immer der Andere sein. Mit der Zeit ist es mir bewusst geworden, dass ich wahrscheinlich der einzige Teilnehmer war… Ich habe mir immer Ziele gesetzt, wollte immer besonders sein. [Lacht] Für mich ist es normal, dass ich bunt, gegenüber schwarz-weiss bevorzuge.

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Gaffer: Du sagst, dass jeder Schuh eine eigene Story erzählt… Gibt es ein Modell, welches Dir besonders wichtig ist?

Piniak: Genau, jeder Schuh ist anders. Das Recherchieren, der Aufbau der Geschichte, sowie das Erstellen von Moodboards, ist ein monumentaler Part meiner Arbeit. Zum Beispiel das kommerziellste Model: Die Inspiration des Loafers kam von den Huftieren und ihren Hufen. Als ich während meines Studiums eine Ausstellung an der Kunstakademie in Warschau hatte, stellte ich ein Modell mit einer Schriftzug aus. Da stand ganz gross „KURWA“ drauf (polnisches Fluchwort)… Kein Mensch hat irgendetwas dazu gesagt, weil es Teil meiner Welt war und alle davon Bescheid wussten. Es gibt keinen besonderen Schuh. Es ist mir viel wichtiger, dass meine Kunden und Studenten das Gefühl haben, dass meine Arbeit authentisch ist. Das ist meine Welt, ich bin Schuhe!

mehr zu Piniak:

http://piniaklab.blogspot.de

https://www.facebook.com/piniakpiniak

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