Sublunare Einmischung. Raimund Kummer

2017, berlin, culture, events, exhibitions

Die Ausstellung im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart in Berlin- zeigt exemplarisch vier raumgreifende, im Zeitraum von 1979 bis 2017 entstandene Werke Raimund Kummers.

Er war Mitgründer zusammen mit Hermann Pitz und Fritz Rahmann des legendären Büro Berlin, das den Stadtraum programmatisch als Material und Gegenstand künstlerischer Untersuchungen in den Mittelpunkt stellte.

Jeder Ort kann ein möglicher Ort für Kunst sein war sein Motto.

Seine Interventionen im Stadtraum sowie die von ihm entwickelten Veröffentlichungs- und Präsentationsformen verdanken sich einem Kunstverständnis, das den Entstehungsort und den Ort der Veröffentlichung des Kunstwerks nicht mehr voreinander trennt.

Die Ausstellung bringt vier Werke – drei aus dem Bestand der Nationalgalerie und ein Werk aus dem Besitz des Künstlers – in einem experimentellen Zusammenhang, der in seiner Abfolge ein präzises, aufeinander bezogenes Bildfeld vorstellt. Auf diese Weise verschmelzen die Arbeiten aus unterschiedlichen Schaffensphasen zu einem Statement, das über eine herkömmliche Werkabfolge hinausgehend, ihre gemeinsame Intention vor Augen führt.
In dieser Hinsicht ist auch der Ausstellungstitel als ein poetischer Verweis auf eine der zentralen Fragen des Künstlers zu verstehen: den unmittelbaren Zusammenhang von Licht und Sehen als Möglichkeitsformen der Erkenntnis.
Der Aktionsbegriff Einmischung verdeutlicht durch das astronomische Attribut sublunar den universellen Anspruch von Kummers bildnerischem Denken.

Die Lichtprojektion Skulpturen in der Straße (1978-1979), mit der die Ausstellung beginnt, entstand in diesem Zusammenhang. Im Gesamtwerk des Künstlers ist ein Schlüsselwerk des Übergangs vom Atelier in den Stadtraum. Die Arbeit verweist auf Kummers Entdeckung des Realraums mit seinen zufälligen ästhetischen Phänomenen.

In der Bodenskulptur Mehr Licht (1991) thematisiert Kummer das Sehen und die Blindheit gleichermaßen als Bewusstseinsprozesse. Das Kunstwerk besteht aus transparent-kristallinen, an Augenprothesen erinnernde Glasobjekten und einem in Glasscheiben übertragenen und zerlegten Diagramm einer Augenkrankheit.

Nuovo documento 2017-04-22_13.jpg
Auch der Raum νόστος – ἄλγος (2012) bezieht sich in seinem Lichtspiel leerer Flächen sowohl auf die dialektische Beziehung von Erinnerung und Utopie als auch auf die zwischen Heimkehr (nóstos) und Leiden (álgos) angesiedelte Qualität progressiven Denkens. Das aus 81 Diaprojektoren bestehende Kustwerk öffnet einen unverstellten Raum für die Gedanken des Betrachters durch die permanente Ambivalenz der Projektion zwischen Schatten und Licht und ihrer zufälligen, nicht definierbaren Erscheinungen. Licht ist traditionell mit Ideen verbunden, die unumkehrbar aus dem Dunkel hinausführen: Licht am Ende des Tunnels.

Einen Überblick über sein Oeuvre eröffnet der inzwischen auf 450 Einzelfotografien angewachsene Werkblock On Sculpure (1979-2017). Erneut kommt das Thema des Auges als grundlegendes Element der Wahrnehmung und Wissen vor.

Nuovo documento 2017-04-22_16.jpg

Nuovo documento 2017-04-22_20.jpg
Raimund Kummer und der Kurator des Ausstellung, Eugen Blume, führten an unterschiedlichen, für das Werk des Künstlers bedeutsamen Orten, Gespräche, die unter dem Titel unterwegs- out und about filmisch festgehaltenen wurden. Die im letzten Raum des Ausstellung präsentierten Interviewfilme wollen eine informative und zugleich unterhaltsame Verbindung zwischen Ort und Werk, Künstler, Kunsthistoriker und dem Ausstellungsbesucher herstellen.

Die Ausstellung wird bis zum 6. August dauern.

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s