1000 Tücher gegen das Vergessen

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Ein Taschentuch hat eine ambivalente Bedeutung. Zum einen trocknet es Tränen.

Im Balkan besteht jedoch auch der Brauch , dass man sich beim Tanz anstatt an den Händen an Tüchern festhält.Im Museum Europäischer Kulturen Berlin Dahlem ist seit dem 3. März ein textiles Kunstwerk , bestehend aus vielen einzelnen bunten Stofftüchern zu betrachten. 1000 Tücher gegen das Vergessen heißt die Ausstellung. Jedes Tuch ist mit einem anderen Motiv in einer anderen Farbe bestickt. Das vermittelt ein eher heiteres Bild zu einem sehr traurigen Thema.

In den 90er Jahren erschütterten gleich mehrere Kriege das ehemalige Jugoslawien und forderten unzählige Todesopfer. Vier Kriege innerhalb eines Jahrzehntes auf nur einem Kontinent, in einem Land.Die Ausstellung soll an diese Kriege von 1991-1995 erinnern. An Unterdrückung , Missbrauch , und Folter.Und gerade an die Ereignisse in Srebrenica.Bis heute haben die Ereignisse Auswirkungen auf das Leben im Balkan.

Der Berliner Verein südost Europa Kultur E.V. bot Gruppentherapien für die hochtraumatisierten geflüchteten Frauen des Bosnienkrieges an. Am Wittenbergplatz setzten die Frauen mit rot beschriebenen Tansparenten , auf den Namen der Verstorbenen zu lesen waren, ein Zeichen und wollten damit auf das Schicksal ihrer Familien aufmerksam machen. Die Schweizer Künstlerin Anna S. Brügger wollte daraufhin dem ganzen eine schönere Form geben und versuchte die traurige Stimmung in etwas positives zu wandeln und vor allem mit den Hinterbliebenen und Trauernden dieses Kunstwerk zusammen zu schaffen. 1000 Tücher wurden in Handarbeit einzeln von unterschiedlichen Frauen bestickt. Alle sind Originale. Auf den einen sind Blumen, auf den anderen Vögel oder Wolken zu sehen.

In erster Linie sind es jedoch Grabsteine, die trauernden Frauen stickten die Lebensdaten und Namen ihrer Verstorbenen oder vermissten Opfer in die Tücher. Das Kunstwerk hilft somit als Trauerbewältigung. Dadurch konnte die Trauer und Ohnmacht zu einer Mitteilung werden. Anna Brügger schaffte es Trauer in etwas Positives zu wandeln. So ist die Ausstellung unerwartet farbenfroh. Im vorderen Teil der drei Räume sieht man eine Fotografie Ausstellung von der Heimat der Betroffenen.

Das Schöne an dem Kunstwerk ist: Jeder darf mitmachen. So darf man selbst aktiv mithelfen und den Frauen helfen es noch zu vergrößern. Das bestickte Taschentuch wird dann an die 47 m laufende Stoffbahn mit angebracht.Im hinteren Teil der Ausstellung sieht man Zitate und Bilder, auch hat man Sonntags die Möglichkeit in Dialog zu treten mit den Frauen. Von 12:00-17:00 haben Besucherinnen und Besucher die Möglichkeit, mit geschulten Live Speakern über die ausgestellten Objekte und Ausstellungen ins Gespräch zu kommen.

Zur Zeit sind die Opfer des Jugoslawien Krieges nicht im Fokus des Weltgeschehens , gerade daher will die Ausstellung an den Konflikt erinnern. Die post jugoslawischen Kriege sind beendet . Der Krieg im Kopf ist noch lange nicht bewältigt.Gerade das Zitat einer Frau berührte mich „ Mein Taschentuch ist nicht besonders schön , aber es ist wertvoll. Wertvoller für mich als jeder Picasso.“

Für 8 Euro, ermäßigt 4 Euro kann man von Dienstag bis Sonntag (10:00-17.00)noch bis zum 25.6.2017 die Ausstellung besichtigen.

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