WATCHING YOU WATCHING ME / A photographic response to surveillance – DAS FELD HAT AUGEN / Bilder des überwachenden Blicks

2017, berlin, culture, exhibitions, minds, Museum, Uncategorized

„Gott sieht alles.“ ist der Satz, der in meinem Kopf widerhallt nachdem ich vergangenes Wochenende die aktuelle Ausstellung im Museum für Fotografie in Berlin besucht habe. In Anbetracht der heutigen Praktiken, Menschen zu beobachten und zu kontrollieren bringt mich dieser Satz zum Schmunzeln. Es reicht eben nicht mehr aus, sich auf Gott und die Tugend zu verlassen, die absolute Kontrolle ist viel besser. Das alles natürlich unter dem Deckmantel der Sicherheit, denn: „Das Wohl des Volkes ist oberstes Gesetz.“ aber „Not kennt kein Gebot.“

Die Konflikte, die eine Sicherheitspolitik und ein zu autoritärer Staat mit sich bringen, sind in der Geschichte schon lange bekannt, aber erreichen durch die Digitalisierung neue und abstraktere Ausmaße. Überwachung ist etwas Unsichtbares, das sichtbar gemacht werden soll.

4

Source: Jacques Callot, Le Ciel veille pour toy (Der Himmel wacht für Dich), 1628, Kupferstich. © Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin / Foto: Dietmar Katz

In zwei Teilen der Ausstellung wurde das Thema Überwachung visualisiert. Reaktionen zeitgenössischer Künstler wurden einer Sammlung verschiedener Bücher, Plakate, Relikte und Fotografien, die bis in die frühe Neuzeit reichen, gegenübergestellt. Eine Art Tagebuch oder Wunderkammer mit Erinnerungen und Collagen ist so entstanden und bietet den Besuchern die Möglichkeit, sich auf eine angenehme und sogar unterhaltende Art und Weise auf das sonst so beunruhigende Thema einzulassen.

Unter den 10 Künstlern waren Paolo Cirio und Mishka Henner vertreten, die sich beide mit dem Thema Google Earth auseinandergesetzt haben, und mir dadurch bereits bekannt waren.

Cirio hat verpixelte Individuen, welche zufällig durch den Google Street View vor die Linse gerieten, in Form von öffentlichen Straßeninstallationen wieder aufleben lassen. Henner wiederum präsentiert Versuche der niederländischen Regierung, politisch und militärisch relevante Orte, mit Hilfe vielfarbiger Polygone, zu zensieren, da Google Earth zu detaillierte Einblicke gewähren würde.

Ein interessantes Konzept (Ausschnitt ist unten zu sehen) war die Arbeit von Hasan Elahi. Inspiriert durch einen Irrtum, welcher Elahi auf die Beobachtungsliste des FBIs brachte, schuf er seine eigene Form eines digitalen Tarnmanövers. Die Idee: die scheinbare Transparenz durch eine Überschwemmung mit irrelevanten Informationen, wodurch ein Filtern und Verwalten zu kompliziert werden. Elahi hat jeden Moment seines Lebens dokumentiert, indem er ihn aufgenommen und an das FBI geschickt hat. Von einzelnen Mahlzeiten bis hin zu Toilettengängen wurde nichts ausgelassen.

2_Hasan-Elahi

Hasan Elahi, Detail from Thousand Little Brothers, 2014. © Hasan Elahi

Heather Dewey-Hagborg, ist eine weitere Künstlerin, die sich dem Thema Überwachung gewidmet hat. Obgleich sie bei der Ausstellung nicht vertreten war, bietet es sich an, ihre Arbeiten mit einzubeziehen.

Für ihr Projekt „Stranger Visions“ (2012-2013) hatte die Künstlerin digitale 3D-Nachbildungen von Gesichtszügen anhand genetischer Informationen aus Haaren und Speichel ermittelt, die sie in New York in Form von alten Kaugummis etc. einsammelte.

Als Antwort auf „Stranger Visions“ folgten 2014 die Projekte „DNA-Spoofing“ und „Invisible“, welche Lösungsansätze boten, die genetische Identität zu verbergen.

023b8e20770c4ec48dfb39cda9bcf81776cb9de3_1_800x409

Heather Dewey-Hagborg, Stranger Visions, 2012–13, NYC Sample 6

Artikel zu Heather Dewey-Hagborg: https://conversations.e-flux.com/t/heather-dewey-hagborg-hacking-biopolitics/6045

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s