Interview mit dem HART Magazin

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Ich habe mich mit Niklas Van Schwarzdorn und Léon C. Romeike getroffen, um sie kurz zu ihrem kürzlich veröffentlichten Magazin zu interviewen.

Van Schwarzdorn, Modefotograf und Editor in Chief des Magazins, veröffentlichte zusammen mit Romeike, Model und Fashion Director, die erste Ausgabe des HART Magazins Ende diesen Jahres. Was als freies Uniprojekt begann, kristallisierte sich schnell zu einem Erfolg heraus. HART versendet Ausgaben weltweit, die zweite Ausgabe des Magazins, das Fokus auf queer-culture und post-fetishism legt, ist gegen Ende September angesetzt.

Woher kam eure Motivation das HART Magazin zu launchen?

VS: Ich wollte als Fotograf schon immer im Print publiziert werden, das war immer mein Ziel. Dann kam der Wunsch auf, ein eigenes Magazin zu publizieren.

Ihr beide seid selber aus Österreich und Norddeutschland nach Berlin gezogen. Inwiefern hat sich euer Leben in Berlin verändert?

R: Als ich mein Coming-Out vor einigen Jahren in meiner Heimatstadt hatte, wurde es regelrecht verschwiegen. Meine Schwester geht in die neunte Klasse, die Leute aus ihrer Stufe, die sich geoutet haben, gehen damit sehr viel offener um, als ich damals.

VS: Für mich hat sich nicht viel verändert, ich denke das ist eine subjektive Erfahrung. Wäre ich damals offener damit umgegangen, wäre es wesentlich einfacher gewesen. „Schwul sein“ wurde immer negativ assoziiert, mittlerweile bin ich viel reifer geworden und weiß, dass man sich so nehmen sollte wie man ist.

Also hat euch Berlin in diesem Sinne bereichert?

R: Auf jeden Fall, auch wenn man damals dachte, man kennt sich selbst, lernt man sich in einem neuen Kontext kennen.

Ihr wart dem Magazin wegen schon in Städten wie Riga, um euch da ein Bild von der Gay-Szene zu machen. Was genau unterscheidet solche Städte von Berlin?

VS: Ein großer Unterschied ist, dass wir in Berlin anfangen in dieser Blase zu leben, wo wir denken, dass wir an der Speerspitze der „LGBTQIA“ Toleranz angekommen sind. Genau deswegen sind wir in Städte wie Riga gefahren, um einfach mal aus dieser Blase zu entkommen, die einfach in anderen Ländern nicht so besteht. Wir können hier in Berlin sitzen und mit Sekt auf eine neu geschlossene Homo-Ehe anstoßen, vergessen dabei aber auch, dass in vielen Ländern Homosexualität noch mit der Todesstrafe verfolgt wird.

R: Berlin war immer sehr produktiv und innovativ. Das moderne Verständnis von Homosexualität ist eine Sache ist, die in Berlin entstanden ist. Schaut man sich die Drag-Szene in Berlin an, oder allgemein die Kunstszene: Alles hat einen Willen nach einer gewissen Produktivität, etwas Neues zu machen. Berlin ist auch eine Großstadt, in der man sehr günstig leben kann. Das zieht viele Künstler hierher.

Euer Magazin wird von vielen gefeiert. Ihr versendet eure Magazine weltweit. Gab es auch negatives Feedback?

VS: Zwei Stores in Berlin wollten unsere Magazine nicht ausstellen. Wir haben einen älteren Mann mit nacktem Unterkörper auf der Rückseite unseres Magazins. Die Store-Manager meinten, dass dies viele Leute ekelhaft finden und es nicht kaufen würden. Und wir reden hier von offen schwulen Leuten, die auch schwule Magazine verkaufen. Being nice is a choice.

Euer Magazin befasst sich ja hauptsächlich mit den Themen „post-fetishm“ und „queer-culture“. Dennoch legt ihr euren Fokus auch stark auf Mode. Kann man HART ein Modemagazin nennen?

VS: Hauptsächlich befassen wir uns mit post-fetishm und queer-culture. Was unter diesem Regenschirm steht, kann natürlich alles sein. Queer-Culture ist so viel, eben alles, was es sein kann.

Der Einfluss der queer-culture auf die Mode wird ja auch immer größer.

VS: Das war ja eigentlich schon immer so. Queer-culture hat schon immer die Popkultur und den Mainstream inspiriert. Sei es Drag, Latex, Leder…

Ihr kooperiert ja mit vielen Berliner Designern. Welche sind eure Lieblinge und wieso?

VS: Auf jeden Fall „Therapy“. Die beiden Designerinnen machen genau das, was wir verköpern. Ihnen geht es nicht primär um Profit, sondern darum, dass man hinter etwas steht, etwas für die Community tut und Subkulturen sichtbarer macht. „Therapy“ ist ein Upcycling-Label, das einzigartige Einzelstücke kreiert. Für mich ist das nicht nur Kleidung, sondern ein Lebensstil.

R: Mein liebstes Label ist „VLK“. Die Designer kreieren nur Accessoires, Fetish-Gear und sehen sich selbst als Performance Kollektiv. Was ich an dem Label besonders mag, ist die Ehrlichkeit und Identitätsverbundenheit. Die beiden Designer kreieren für sich selbst, aber auch für Leute, die wie sie selbst, hinter einer Idee stehen.

Welche Story in eurem Magazin hat euch am meisten bewegt?

VS: Die Story von unserer Freundin Julia Howe, die auch selbst für das HART Magazin schreibt. Sie war schwanger und hat vor der Entscheidung gestanden, ob sie das Kind behält oder nicht. Bevor sie sich entscheiden konnte, hat sie ihr Kind verloren. Das hat ihr die Entscheidung genommen. Danach hat sie bemerkt, dass sie während dieser Zeit Fotos auf ihrem Handy gemacht hat. So hat sie bemerkt, dass das Handy nicht nur ewiger Wegbegleiter ist, sondern auch eine moderne Ausdrucksform von Kunst.

R: Wie ein Tagebuch. Sie hat Fotos von sich selbst gemacht, Screenshots gemacht. So wie wir alle es machen.

VS: Sie hat sich die Frage gestellt: Wem gehört eigentlich mein Körper? Es ist eine sehr feministische Story. Sie hat sich mit den Männern in ihrem Leben auseinandergesetzt, den Männern, den sie auch Nacktfotos von sich geschickt hatte. Zu was macht sie das? Ob die Männer über ihr Leben entscheiden, oder sie selbst. Viele Fotos sind sehr emotional. Beispielsweise ein Foto von ihrer von der Periode blutbefleckten Unterhose, zum ersten Mal nach der Schwangerschaft. Es ist nur ein Handyfoto, aber dennoch sehr kraftvoll. Ein anderes Foto zeigt eine Einkaufsliste, wo Tampons und Avocados draufstehen. Für sie war das so skurril und das hat sie darüber nachdenken lassen, was sie als Frau in dieser Gesellschaft alles leisten muss.

R: Auch in dem Sinne, wem ihr Körper eigentlich gehört. Der Gedanke, dass sie ihren Körper präsentiert wie eine Ware und Männern anbietet. Zum Zeitpunkt der Schwangerschaft dann auch der Gedanke, ob sie nun abtreiben darf oder nicht. Ist das denn wirklich noch mein Körper? Wo liegt der Unterschied zwischen Männern und Frauen?

 

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Editor in Chief Niklas Van Schwarzdorn und Fashion Directior Léon C. Romeike.

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