Ich möchte mein eigenes Ding machen.

2019, nachwuchsdesigner, Uncategorized

Dem einen ist es schon von Anfang an klar, dem anderen kommt dieser Gedanke erst während des Studiums, und dem nächsten eventuell erst nach einigen Jahren im Beruf: Der Wunsch vom eigenen Modelabel. Kollektionen im eigenen Stil entwerfen, alle Prozesse von Anfang bis Ende planen, sein eigener Boss sein, selbst entscheiden zu dürfen und eine Marke zu sein. All das sind Dinge, von welchen viele junge – und natürlich auch ältere 🙂 Modedesigner*innen in spe träumen.

Tanja Christiani aus Berlin hat diesen Traum für sich wahr werden lassen. Nach ihrem Bachelor Abschluss an der HTW Berlin im Jahr 2015 gründete sie ihr gleichnamiges Label. Ich durfte Tanja unter anderem zu ihrem persönlichen Weg, ihren Erfahrungen während des Studiums und ihrer Design-Handschrift interviewen. Natürlich hat sie auch einige hilfreiche Tipps für alle Student*innen und Absolvent*innen parat!

Viel Spaß beim Lesen! 🙂

Tanja, wie war dein persönlicher Weg zum Modesign-Studium?

Als Jugendliche wollte ich Kunst oder Modedesign studieren, später während dem Abitur hatte ich kurzzeitig auch mal an ein Architekturstudium gedacht. Nachdem ich nach dem Abitur erstmal nur gejobbt hatte, um ein wenig Abstand zwischen Schul- und Studienzeit zu schaffen, wurde es dann doch Mode. Ich wusste von den Anforderungen, weshalb ich gleich, nachdem ich aus Freiburg nach Berlin kam, mein Vorpraktikum bei einem Kindermodelabel gemacht habe. Im Nachhinein nicht die beste Wahl für ein Vorpraktikum, aber trotzdem eine positive Erfahrung. An die HTW kam ich dann im Frühjahr 2012.

Wann war für dich klar, dass du dich nach dem Studium an der HTW Berlin selbstständig machen möchtest?

Ich hatte immer den Wunsch, was eigenes zu machen. Während dem Studium wurde auch schnell klar, dass eine Festanstellung bei größeren Labels, vor allem in Berlin, sehr selten ist. Nach meinem Praxissemester bei einem kleinen Berliner Label habe ich dann beschlossen, es nach dem Bachelor auch zu versuchen.

Vorbereitungen beim Shooting.

Ein sehr mutiger Schritt. Was sind Dinge, die im Vorfeld auf jeden Fall beachtet und geplant werden müssen?

Ehrlich gesagt habe ich mich da selbst in’s kalte Wasser geworfen. Ich hatte zwar gute Einblicke in die Abläufe, Herausforderungen und Schwierigkeiten während des Praktikums, aber im Endeffekt muss man das alles mal selbst machen, um zu sehen, wie es wirklich ist. Wichtig ist ein gewisses Startkapital, um die erste Kollektion und Produktion auf die Beine stellen zu können. Außerdem zumindest ein wenig Interesse an BWL und Recht. Diese Fächer hatte ich zwar im Studium, im Nachhinein hätte ich aber gerne noch mindestens ein Semester BWL dranhängen sollen. Vieles ist aber einfach learning-by-doing und am Ende machen die kreativen Sachen in diesem Beruf vielleicht noch 10% von allem aus.

Seit 4 Jahren gibt es nun schon dein Label. Was macht ,,tanjachristiani’‘ aus?

Nachdem ich anfangs noch etwas experimenteller gearbeitet habe, wurden meine Teile von Kollektion zu Kollektion einfacher und tragbarer. Puristische und lässig-feminine Blusen und Kleider aus weich fallenden Stoffen, die vielseitig einsetzbar sind, sind meine Bestseller. Einen Großteil meiner Zielgruppe macht auf jeden Fall eine Frau aus, die zwar auf modische Trends reagiert, aber nicht alle, vor allem nicht die kurzlebigen, mitmacht. Qualität, Stil und gute Verarbeitung sind wichtiger als modische Aktualität. Die Langlebigkeit des Kleidungsstücks sowie nachhaltiges Design stehen im Vordergrund. So entsteht zweimal jährlich je eine Kollektion mit Kleidung, die für Schlichtheit und aufmerksames Design mit einem Auge für Details steht.

Deine Kollektionen wirken sehr zeitlos und feminin. Wer oder was inspiriert dich?

Meine größte Inspiration war schon immer Moderne Architektur. Ich mag die Arbeiten von Ludwig Mies van der Rohe und Le Corbusier aufgrund ihres Minimalismus, aber auch aufgeregte, laute Gebäude von Frank Gehry und Zaha Hadid. Moderne Architektur hat so viele Facetten, dass ich seit Jahren damit arbeite, alle meine Kollektionen auf ihr basieren und trotzdem kein Ende in Sicht ist. 

Das Atelier.

Im Studium sprechen wir immer wieder darüber, wie wichtig eine eigene ,,Design-Handschrift’’ ist. Siehst du das genauso und wenn ja, wie würdest du deine beschreiben?

Eine Design-Handschrift ist wichtig, schließlich will man wiedererkannt werden. Man sollte sich aber bewusst sein, dass die Welt nicht auf einen gewartet hat. Es ist schwer, etwas komplett neues zu machen, ebenso sein ganz persönliches Markenzeichen zu etablieren. Dazu ist einfach alles schon einmal da gewesen, denke ich. Viele nennen auch etwas ihr Erkennungsmerkmal, dabei war das bereits Jahre vorher schon das Markenzeichen eines anderen Designers. Natürlich, man sollte seine eigene Design-Handschrift kennen, denn ein roter Faden macht es leichter für einen selbst und die Kundschaft. Ich kenne meine mittlerweile auch, würde aber nie sagen, dies oder das ist „typisch Tanja Christiani“.

Was war das Wichtigste, das du während des Studiums gelernt hast?

Mir nicht reinreden zu lassen, von niemandem. Kritik zwar anzunehmen, aber trotzdem an seinen Ideen festzuhalten. Hartnäckig, auch wenn das vielleicht Punktabzug gibt. Vor allem aus meinem Auslandssemester am Central St. Martins ist das bei mir hängengeblieben. Und generell: ein gutes, sinnvolles Zeitmanagement ist das wichtigste. Nicht das, was einem vorgegeben wird, sondern das, was man sich selbst macht. Seit dem Studium sind To-Do-Listen und ein guter Kalender, in den ich alles eintragen kann, meine besten Freunde. Wenn man alles im Blick hat, kann man alles auch entspannt abarbeiten. Das gilt für mich bis heute.

Showroom während der Fashion Week Skopje.

Was würdest du zukünftigen Modedesigner/innen, die sich auch gerne einmal selbstständig machen würden, mit auf den Weg geben?

Je mehr Informationen man sammeln kann, desto besser. Wenn man die Möglichkeit hat, zu Seminaren zu gehen, sollte man das machen. Dazu muss man auch kein Vermögen ausgeben. Je trockener die Themen, desto wichtiger sind sie, so ist meine Erfahrung. Man sollte keine Angst haben, sich Hilfe zu holen, egal ob von Freunden, Kooperationspartnern oder der Bank. Es gibt viele Fördermöglichkeiten, die einen weiterbringen können, aber auch eine Freundin, die toll schminken kann und damit beim nächsten Shooting hilft, ist Gold wert. 

Vielen Dank Tanja, für das ausführliche und wirklich sehr interessante Interview!

Mehr über tanjachristiani gibt es auf Instagram, Facebook und auf ihrer persönlichen Website mit Online-Shop:

https://www.instagram.com/tanjachristiani/

https://www.facebook.com/tanjachristianistudio/

https://www.tanjachristiani.com

Vorbeischauen lohnt sich!

Auszüge aus der aktuellen Kollektion:

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s