Black Friday – das Konsumfest, das Branchenübergreifend zum Chaos führt

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Black Friday (in deutsch: Schwarzer Freitag) ist der Name für den Einkaufstag nach Thanksgiving.
Es gibt verschiedene Geschichten darüber, wie es zu der Namensgebung kam. Eine davon behauptet, die Polizei prägte den Satz, um das Chaos zu beschreiben, das die Überlastung des Fußgänger- und Autoverkehrs in den Einkaufsvierteln der Innenstadt umgibt.

Passend ist diese Beschreibung auch heute noch, die Jagt nach dem besten Angebot bringt mittlerweile nicht nur in der USA sondern in der gesamten westlichen Welt Einkäufer*innen dazu für Chaos zu sorgen. Der emotionale Kampf scheint den Menschen zum Durchdrehen zu bringen, sodass es in den letzten Jahren infolge zu 117 Verletzten und 12 Toten kam. (http://blackfridaydeathcount.com)

Der Tag, der sich mittlerweile bei Unternehmen wie Amazon zu einer ganzen Woche entwickelt hat und mit Cyber Monday endet, ist ein Abbild unserer Konsum-geprägten Gesellschaft. Dabei bereuen laut finder.com 1/5 der Konsument ihren Kauf, 1/10 der Konsumenten kauft Dinge, die sie bereits besitzen und wirklich lohnen tut sich auch nur ein Bruchteil der Angebote.
All dies nur aus einem Zwang heraus, der durch die Industrie- und Werbemaschinerie dem Konsumenten aufgedrängt wird.

Jedoch gibt es mittlerweile immer mehr Organisationen, Aktivisten und Unternehmen, die sich für den Boykott des Konsumfestes einsetzen. Dabei geht es ihnen hauptsächlich um den hohen Ausmaß an Konsum, der überflüssig ist. Mit jedem Konsum ist immer ein Ressourcenverbrauch verbunden und oftmals gleichzeitig Kinderarbeit, Verpestung von Landschaften, Ausbeutung von Arbeitern, vermüllte Landschaften und Meere und viele weitere negativen Folgen auf Umwelt und Mensch. Somit ist Überkonsum der Ursprung vieler Probleme der Menschheit, wie dem Klimawandel.

Eine aus Skandinavien kommende Gegenbewegung ist der sogenannte ‚White Monday‘- Hierbei soll auf den Wert eines Bekleidungsstückes aufmerksam gemacht werden, durch Posts in weißer Bekleidung. Mit 25K Beiträgen unter dem Hashtag #whitemonday allein auf Instagram werden über das Motto ‚Reuse – Repair – Rent’ Konsumwege vorgestellt, die zu einem längeren Leben der Kleidungsstücke bishin zur Wiederverwertung führen. Die Betitelung zum ‚White Monday‘ als das gute Gegenstück zum ‚Black Friday‘ ist dabei etwas unpassend getroffen. Die Verwendung der Farbe Weiß zur Zuordnung von allem, was gut, sauber und positiv ist, im Gegensatz zum schlechten Schwarzen Freitag zeigt, wie die weiße Vorherrschaft auch in der Sprache existiert. Ein ‚Slow Monday‘ oder ‚Green Monday‘ wäre wohl passender.

Auch die Art und Weise, wie nachhaltige Unternehmen mit dem Black Friday umgehen bleibt fraglich. So ist es einerseits selbstverständlich, dass ein Unternehmen, welches dafür wirbt mit seinen Produkten langlebige Bekleidung zu schaffen, die ein Gegenstück zum Wegwerfkonsum und die damit der einhergehende Umweltkrise sind, nicht an dem Konsumfest des Black Fridays teilnimmt. Dieser umweltbewussten Konsumentengruppe ist bereits bekannt, dass ihre Bekleidung an einem Tag nicht weniger Wert ist als an einem anderen. Jedoch werben Unternehmen, wie Armedangels dafür, in dieser Woche einen Teil des Einkommens an die Kinder der Arbeiter in den Produktionsländern zu spenden. Somit geben sie dem Käufer nun nicht durch Rabatte das Glücksgefühl beim Konsum, sondern durch eine gleichzeitige Spende. Dass dadurch wieder einmal die Konsumenten zum Kauf getrieben werden sollen, ist jedoch Teil der eigentlichen Problematik.

Denn was in der Woche des Black Fridays gezeigt wird, ist der Überkonsum der sich durch alle Konsumentengruppen zieht. Wöchentlich sich zwei neue Bio-Baumwoll-Hosen zu kaufen, wird leider nicht reichen um die Klimakrise aufzuhalten.
Somit macht es keinen Sinn einen Tag wie den Black Friday zu verteufeln, an allen anderen Tagen des Jahres jedoch genauso hoch zu konsumieren, nur ohne Rabatte.

Der Tag sollte ein Zeichen setzen für kritischen Konsum. Der Konsument, ob von nachhaltigen oder nicht nachhaltigen Marken, sollte immer hinterfragen, was er wirklich braucht. Und ob er an diese Produkte vielleicht doch anders kommt, als sie neu zu kaufen.
Nichts an Black Friday kaufen zu können, sondern unabhängig von Angeboten konsumieren zu können ist jedoch natürlich auch ein Wohlstandsproblem. Eine alleinerziehende Mutter, die Monate lang auf diesen Tag spart um dann die Weihnachtsgeschenke für ihre Kinder zu kaufen, soll hier nicht kritisiert werden. Überkonsum ist ein Problem der privilegierten Gesellschaftsschicht.

Wer allerdings ein Zeichen gegen Überkonsum senden will, und dies nicht unter dem ‚White Monday‘, kann allerdings auch am ‚Kauf-Nix-Tag, dem Black Friday folgenden Samstag, teilnehmen. Die aus Vancouver stammende Bewegung appelliert zum 24-stündigen freiwilligen Konsumverzicht. Den Rest des Jahres dürfen wir dann weiter kritisch konsumieren, möglichst ohne Chaos.

KURSVORSTELLUNG: KOLLEKTIONSPROJEKT 1 // SUSTAINABLE FASHION // SEM.3 // PROF. JOHANNA MICHEL, BIANCA KOCZAN, LIZA SANDER

Fashion, htw, nachhaltigkeit

Während hunderttausende Menschen international auf die Straße gehen und sich für eine umweltfreundliche Politik und Wirtschaft einsetzen, wird sichtbar wie der Trend der Nachhaltigkeit sich durch alle Branchen durchzieht. Auch die Bekleidungsindustrie, die nach der Erdölindustrie die Dreckigste ist,  kann es sich nicht mehr leisten, wegzuhören.


Somit ist es als Designer heute wichtiger denn je,  sich mit den Auswirkungen und neuen Entwicklungen auseinanderzusetzen, um Bekleidung von Anfang an nachhaltig zu gestalten.

Doch was heißt es überhaupt nachhaltige Bekleidung zu designen? Ist der Widerspruch dabei nicht schon in der Sache selbst? Kann man mit einem guten Gewissen heute überhaupt noch neue Kleidung auf den Markt bringen, wo doch der heutige Stand der Produktion reichen würde, um die folgenden 50 Jahre die Menschheit zu kleiden. Werden wir in Zukunft vielleicht gar keine Kleidung mehr besitzen sondern leasen?

In dem ‚Sustainable Fashion’ Kurs unter der Leitung von Johanna Michel, Bianca Koczan sowie Liza Sander werden genau diese Fragen aufgestellt.

Lösungen werden hier an den Wurzeln angepackt, so werden unter Berücksichtigung der gesamten Wertschöpfungskette bei Designentscheidungen neue Ideen gesucht. 

Da das Thema sehr komplex ist und es nicht auf alle Problematiken einfache Lösungen gibt,  ist vor allem in der Slow-Fashion-Branche der Austausch von Informationen und Zusammenarbeit entscheidend.

Passend dazu war das Thema des Sommersemester Kurses 2019 ‚NEARSHORING‘ zu betreiben. Dabei hatten die Studierende die Aufgabe mit lokalen Manufakturen etc. zusammen zu arbeiten. Teilweise wurden Abfälle von Unternehmen weiterverarbeitet, Informationen wie über die Färbung mit Pflanzen oder der Verarbeitung von Leder geteilt. 

Mit Liza Sander (Future Strategist & Facilitator for Social-Ecological Design and Processes) und Larissa Roviezzo von ReGenerate (Concept Development & Strategies) wurden Profis an die HTW geholt, die den Kursteilnehmern durch verschiedene Workshops die Bandbreite der Problematik der Modeindustrie mit Lösungsansätzen und Motivation näher gebracht haben.

So wurde beispielsweise im ersten Workshop ein Schuh auseinandergenommen und die verschiedenen Materialien angeschaut. Ideen für kreative Lösungen wurden daraufhin in Gruppen gesammelt und präsentiert. Hier sind die Designer*Innen nicht nur als Gestalter sondern als kreativer Lösungsfinder gefragt. 

In den folgenden Workshops haben sich die Studierenden mit den‚ 17 United Nation Sustainable Development Goals‘ auseinandergesetzt. Die Studierenden haben sich daraufhin mit jeweils einem oder mehreren Goals näher beschäftigt und in ihrer Kollektion umgesetzt.  Wie unter anderem ‚Gender Equality‘, ‚Clean Water‘, ‚Climate Action‘, oder ‚Good Health‘. Auch wurden während der ‚GREEN FASHION TOUR’ geleitet von Liza Sander, verschiedene Ansätze von Berliner Marken bzw. Läden vorgestellt. Die Studierenden konnten sich die Inspiration für ihre aus den Kursen entstandenen Konzepte selbst suchen. 

Im Folgenden sind Beispiele verschiedener Studierenden, die sich mit allerlei verschiedenen Herausforderungen auseinandergesetzt und neue Ansätze gefunden haben. Dabei entstanden Outfits, die beispielsweise mit neuen Materialien, natürlichen Färbemethoden, Naturstoffen, durch Upcycling oder auch einer künstlerischen Auseinandersetzung der Thematik entstanden sind.

Da die Problematik in der Modeindustrie zu tiefgreifend ist, um sie in einem Semester zu lösen, konnte der Kurs vor allem den Studierenden Mut geben sich weiterhin damit zu befassen.