Portfolio

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Ob im vierten Semester vor dem Praktikum oder im Sechsten vor dem Abschluss, irgendwann muss man sich mit dem eigenen Portfolio beschäftigen.

Das Beste von den bisherigen Arbeiten in einer präsentierbaren, visuell beindruckenden Form bringen um den ersehnten Arbeitsplatz zu bekommen.

Es soll nicht mehr als 50 Seiten haben, das ist schon fast zu viel, und die 4 bis 5 besten Projekte auswählen. Es ist kein Lookbook, ein Portfolio soll auch die eigene Arbeitsweise und Ästhetik klar darstellen. Das bedeutet auf jeden Fall die Seiten aus dem Skizenbuch zum jeweiligem Projekt, falls man mit einem arbeitet, zeigen, dazu Moodboards, Photos von dem Prozess, Illustrationen, technische Zeichnungen und eventuell Stoffproben. Selbstverständlich muss das Layout und die vorgestellten Projekte sich nach dem ins Auge gefassten Arbeitsplatz richten, zum Beispiel eine freiere oder künstlerische Darstellung für Kostüme beim Theater oder kommerzieller für eine mainstream Modekette.

Was aber immer gilt ist eine notwendige, klare Struktur, also auch ein Inhaltsverzeichnis und ein übersichtliches, selbsterklärendes Layout, der die Arbeiten unterstützt und nicht davon ablenkt.

Viel beschriften, nicht nur den Name des Projektes erwähnen sondern auch das Jahr, die Saison wann das Projekt entstanden ist und ob es sich um Menswear/ Unisex oder was auch immer handelt.

Bei eigenen Aufträgen auch deutlich machen was man dabei gemacht hat, ob nur Styling oder Design, ob nur Design oder auch die Umsetzung.

Nur eine Schrift in der gleichen Größe wirkt oft zu langweilig, zwei bis drei unterschiedliche schriften wie Größen machen es schon interessanter. Eine ganz volle Seite muss nicht immer beeindruckender wirken sondern ist gezwungen überladen, mit Raum selbstbewusst umgehen macht oft viel mehr aus.

Das CV dazu im selben Stil entweder gleich an den Anfang oder ans Ende packen und zum Schluss noch eine leere Seite mit Kontaktdaten.

Prag ist auch eine Stadt der Mode

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Prag ist nicht nur die Stadt der hundert Türme, UNESCO-Weltkulturerbe und eine der schönsten Städte der Welt. Prague hat auch eine eigene Mercedes-Benz-Fashionweek, die gerade ganz passend in unseren Semesterferien stattfindet, nämlich in der zweiten März-Hälfte, vom 17-24. 03. 2017. Ich empfehle sie zu besuchen und stelle ein paar Tipps und vielversprechende Namen vor, die man sich bei dem Besuch nicht entgehen lassen sollte.

Die Prager Fashion-Week bzw. Prague Fashion-Weekend gibt es seit 2010, seit dem hat sie internationales Niveau erreicht. Durch die Ostblock Vergangenheit hat sie einen gewissen Charme, und durch die alten Einflüsse sind die Kollektionen der aus Tschechien oder Slowakei anspruchsvoll verlesenen Designer oft viel bunter, mutiger und sinnlicher, das Gegenteil von dem schlichten, sachlichen und androgynem Berlin.

Selbst internationale Persönlichkeiten wie Jimmy Choo oder Jean Paul Gaultier lassen sich sie nicht entgehen. Manche Shows sind wie überall nur mit Einladung zu besuchen, für die Meisten kann man aber Karten kaufen. Ich werde auf jeden Fall dabei sein und freue mich schon vor allem auf diese drei Designer:

Zuzana Kubickova spielt mit sensibel ausgewählten Farbkombinationen, die sie über moderne Formen legt und mit Stickereien, Perlen und Spitzen schmückt. Nicht umsonst wurde sie 2011 mit dem Czech Grand Design Preis ausgezeichnet. 

Das Label CHATTY gibt es schon seit 12 Jahren und ist ein Markenzeichen für stylish Streetwear, vornehmlich Denim und untypisch maßgeschneiderte Jeans. Die letzten Jahre präsentierten sie ihre Kollektionen auch auf der Paris, Berlin und Warschauer Fashionweek. Tschechische, kommerziell-erfolgreiche Avantgarde. 

Jakub Polanka, Absolvent der in Tschechischen renommierten Kunsthochschule UMPRUM sammelt gerade einen Preis nach dem anderen und lobende Aufmerksamkeit bis hin zur italianischen Vogue. 

Dieses Jahr findet dei Fashionweek in dem alten Einkaufszentrum “Kotva” statt, ein architektonischer Schatz des Brutalismus, andere Shows in dem historischem Grandhotel “Bohemia”.

Prag ist nur 5 Stunden entfernt, die günstigste Busgesellschaft kostet um die 25 Euro. Und mit entspannten Airbnb hat sich Prag schon gelohnt.

Mehr Info unter mbpfw.com

HARAM – HALAL

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Es ist das Thema der letzten Jahre. Der aus dem Islam stammende Einfluss auf Mode, Trends und Produkte. Die auf den Markt gebrachten Hijabs von H&M und Mark&Spencer, die goldenen Henna Tätowierungen, oder folgendes Zitat aus der “Culture Starved “Blog:Runways featured the traditional heavy eyeliner, turbans, beaded headbands, floor length conservative gowns (a long awaited break from the trend of mini-everything) and in a twist of events, Islamic female designers presented their collections in New York, London, Paris and Milan, the fashion capitals of the world. This star position will surely further inspire future fashion trends towards the Islamic values that women are most respected when their body is a secret from the world”

Gut, es liess mich ganz unberührt, es ist nicht mein Thema oder Kultur, aber immer noch mit Verständnis für die Modeketten, die jetzt eine Nachfrage muslimischer Frauen befriedigen wollen. Bis vor kurzem, als eine Clique türkischer Jungs mir und meiner Begleitung nachriefen:

Pass lieber auf deine Frau auf. Haram, haram! “ Ich hatte ein kurzes Kleid an, Stiefel, Pullover und Jacke. Die Länge des Kleides gehörte aber schon in die HARAM Kategorie, ein neues Jungwort muslimischer Teenager, das für alles was “Sünde” ist steht, für alles was zu viel Haut zeigt, oder allgemein einem islamischen Lebenstil als zu unmoralisch angesehen wird. Dazu gehören neben Ausschnitte oder kurze Röcke auch das Trinken von Alkohol, rauchen der Wasserpfeife, kurz, alles was laut der Scharia verboten ist. Das Gegenteil von Haram heisst HALAL, zu verstehen als “in Ordnung, erlaubt”. Dass Jungs das “Haram” für Frauen strenger auslegen als für sich selbst ist jetzt nicht das Thema, nur so locker wie sie diese Regeln für sich halten, so frei fühlen sie sich (nach meiner Recherche österreichischer Schulen mit gemischten Klassen) Mädchen gegenüber, die sich nach klassischen westlichen Standards anziehen, sie nämlich als Haram zu bezeichnen und täglich zu beschimpfen. Die Knaben sind jung, unsicher, und spüren durch die Bevormundung die Illusion von Macht.

Auf einmal wurde ich auf den islamischen Einfluss in der Mode sensibilisiert. Noch vor zwei Jahren las ich in dem gleichem Blog “ Culture Starved”: “However, it would seem that Islam and fashion are two things that would not go together. Yet, upon closer consideration we find that they do in fact envelope one and other. Islamic fashion and the rights of Islamic women go hand in hand. In periods of time when women had freedom in their fashion choices, they also had power.”

Ein solches Gleichgewicht wäre eine interessante Situation, wenn das Mysteriöse, irgendwo auch elegante dieser Mode eine Balance zu der immer weiteren Objektivierung und Sexualisierung der Frau in der westlichen Kultur ergäbe.Wie Madonna in ihrer Rede nach der Preisverleihung … ganz deutlich sagte : you have to look and sell yourself as a slut, but you are not allowed to own that slutness.” Wie wir auch ohne Madonna in jedem zweiten Videoclip, die oft einem softporn gleich produziert, sehen können, oder welches auch die Fetishtrends von Harnesses und Choker gut demonstrieren.

Aber gibt es so ein Gleichgewicht? Nein, es gibt nur eine Spannung. Über welche auch Spiegel berichtete: “Deutsche Frauen ziehen sich heute bedeckter an, weil sie sich so sicherer fühlen.” 

…”In periods of time when women had freedom in their fashion choices, they also had power.”

Ich wünsche mir, dass wir diese Power behalten oder wiederfinden.Im Moment spüre ich die Tendenz, dass wir die Macht über uns selbst langsam mehr und mehr verlieren. Im Showbusiness am besten fast nackt, im Alltag wieder lieber vorsichtig sein.

Ich wünsche mir dass uns Designer bewusst ist, dass mit jedem modischem Zitat aus dem Islam auch das Haram Diktat unterstützt wird.Und nicht wie unlängst Vivienne Westwood’s Burkas (für Herbst/Winter 2018), welche zwar dem Zeitgeist entsprechen, aber keine gute Provokation in Bezug auf einer individuellen Freiheit darstellen. Vielleicht übertreibe ich?

Ich will nur, dass bevor uns Ideologien vorschreiben was Mode sein darf, wir als Designer uns darauf besinnen sollten nicht als angegriffen Betroffene zu reagieren, sondern wie gewohnt zu agieren, um weiterhin handlungsfähig, souveräne Avantgarde zu bleiben. Und im Privaten nicht aus Wut oder Trotz kurze Kleider tragen, weil mir niemand zu sagen hat was Halull oder Halam ist, obwohl ich sonst in Hosen und T-Shirt bleiben würde.

Die Krawatte in der Politik

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Die Vereinigten Staaten haben einen neuen Präsidenten gewählt und man sieht die Person namens Donald Trump immer wieder in den Medien. Auch den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan kann man mitlerweile sofort aus dem Gedächtnis aufrufen. Was verbindet Beide?

Bei der in der Politik vornehmlich auf blau und rot reduzierten Wahl der Krawattenfarbe, würde
jede weitere den folgenden Farbtöne ein gewisses mehr an Einfallsreichtum beweisen:

hellblau, babyblau, pastelblau, dunkelblau, kobaltblau, royalblau, blau mit dunklem Muster, blau gestreift oder dunkel bordaux, bordaux, rot, Rot mit dunklem Muster, Rot gestreift, Bordeux gestreift, oder ha: rot-blau gestreift.

Auch irgendein interessantes Muster hätte mehr Liebe zum Detail gezeigt, beide Politiker tragen aber am liebsten signal-rot. Genauso wie die Angestellten einer Security Firma.

In der Psychologie der Farbe, wie wir schon ahnen, bedeutet dies: Energie, Stärke und Agression. Ausserdem liest man in der Beschreibung: “Es ist die Farbe des pulsierenden Blutes und deutet auf gesunde, starke Lebensgefühle hin, auf naives, kindliches Suchen nach Zuwendung und Liebe und auf Beständigkeit, lässt aber keine Selbstzweifel zu. Rot repräsentiert klare Ziele und Wünsche, steht für Leidenschaft, Sinnlichkeit, Aufregung, Feuer, Befreiung und Mut, aber auch Aggression, Wut und Macht. “ Eine passende Beschreibung, eine offensichtlichere Wahl kam für sie nicht in Frage.

Im Gegenteil dazu bedeutet Blau: nass, kühl, erfrischend, weit, himmlisch, klar und transparent, besitzt einen edlen Charakter. beruhigt und harmonisiert, führt ins eigene Unterbewusstsein, fördert den Frieden mit sich selbst und die innere Stille, die Kommunikation, Sachlichkeit und Präzision der Gedanken und stärkt die Lebenskraft. Welche Farbe hat Barack Obama oft getragen? Natürlich, fast immer blau!

Die Bedeutung im Zusammenhang mit der Politik kommt schon aus früher Geschichte, wo Blau immer schon mit dem blauen Blut der britischen Aristokratie verbunden wurde, während rot das rote Blut der Wache repräsentierte. Psychologen behaupten auch, dass Rot und Blau die Gehirnfunktion und die Wahrnehmung von Werbung verbessert. Ist nicht die Rede eines Präsidenten irgendwo oft auch eine Art Werbung?

Rot ist sehr beliebt auch im Fernsehen. Sie bringt Farbe ins Gesicht und man sieht sie fast immer bei Fernsehduellen.

Blau erinnert dagegen an den Himmel, Ozean und Wasser, deswegen denken wir dabei an Offenheit, Ruhe, und Reinlichkeit. Bei seiner Amtseinführung trug Donald Trump schwarzen Anzug zu signal-roter Krawatte, seine Frau Melanie Puder-blaues Kostüm von Ralph Lauren. Wenn sie nicht schon als eine erste Dame angesehen wird die man respektieren kann ohne fremde Reden zu klauen, wirkt sie wenigstens als ein himmlischer Engel neben dem narzistischen Teufel.

Den französischen Präsidenten Francois Hollande sieht man immer mit dunkel-blauer Krawatte, Putin mag es fast immer gemustert und variiert zwischen dunkel-blau und dunkel-rot, worin sich gut seine berechnende Persönlichkeit widerspiegelt. Selbst George W. Bush hatte sich noch Gelb zugetraut, ansonsten hatte auch er alle Variationen von hell bis dunkel in Blau und Rot ausprobiert.

Wie kein anderer Präsident hat Trump bisher so häufig signal-rote Krawatten getragen,dazu ganz praktisch mit Tesafilm geklebt, wie man unter dem Link sieht.

Mit rot werden die Klausuren vom Lehrer korrigiert und rot sind auch die Verkehrswarnzeichen, irgendwie passt alles zusammen. Ich bin gespannt wie rot seine Amtszeit sein wird.

Die Rolle des Gürtels beim Wintermantel und die Rolle des Mantels im Winter allgemein

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Mein erster Wintermantel wird in diesem Winter dreizehn Jahre alt. Sein Design ist dermaßen zeitlos, dass ich ihn immer noch tragen kann. Damals war ich vierzehn, es war mein Geburtstag und nach all den Anoraks und Steppjacken, hat meine Mutter entschieden, dass ich jetzt einen klassischen Wintermantel aus Wolle brauche. Wie groß fühlte ich mich auf einmal. An das Bummeln und Suchen errinere ich mich noch als wenn es gestern wäre, so wie an die Überlegungen welche Form, Länge, Farbe oder Dicke es braucht. Es war 2003, strenge X-Form mit Pelzkragen in Pink war gerade die Extravaganz, vor denen meine Mutter aber immer weglief. Sie hatte sich etwas schlichteres und eleganteres vorgestellt – bis wir den einen vor uns hatten: Rot mit acht mittelgroßen Knöpfen, einem Stehkragen, zwei Taschen und Länge genau über die Knie. XS hätte mir damals besser gepasst, aber der klassische Fehler “Lieber nicht zu eng damit noch ein dicker Pullover drunter Platz hat”, hat uns zu der Wahl der Größe S bewogen, so dass er mir vom ersten Tag an ein Tick zu groß war. Trotzdem fühlte ich mich toll darin.

Yohji Yamamoto sieht ein Wintermantel als die Rüstung einer Frau. Wie das lateinische Wort mantellum “Hülle und Decke” bedeutet, fühlte auch ich mich geschützt und geheimnisvoll. Eine Beziehung mit dem Mantel wird oft zu einer Heirat, ein Mantel meint es ernst. Andere Teile der Garderobe kommen und gehen nach Laune und Trends, aber ein Mantel muss zu dem Charakter passen.

Wie Viviene Westwood meinte, kaufen sie weniger ein und wählen dafür besser aus, gilt gerade hier in besonderen.

Im 19. Jahrhundert sind die ersten modernen Mäntel entstanden. Es ist die Blütezeit der englischen Schneiderkunst, die mit ihren Schnitten die Herrenmode revolutionierte. Der Mantel rundet das Erscheinungsbild ab. Schon immer diente er zur Demonstration einer den schönsten Gesten eines Gentlemens, nämlich der Dame aus ihm heraus und herein zu helfen.

Die Bühnen- und Kostümbildnerin Olga von Wahl nennt ihn “Eine Säule der Macht“, ein Mantel kann sein wie eine Wand. Ein solcher Mantel flattert nicht, er bedeutet.

In den kommenden Monaten wird es nicht wärmer. Die Zeit des Trotzens mit Pulli unter der Lederjacke ist vorbei, jetzt heisst es den Mantel auszuführen. Für das persönliche Erlebnis bindet man am besten einen breiten Gürtel um die Taille und trägt den Mantel eng am Körper. So fühlt sich das Tragen an wie eine Urmarmung, und der Gürtel schenkt einen besseren Halt, wärmt den Rücken und die Nieren. Falls des Mantels Form oder Material zu speziell ist als dass ein Gürtel ihn stört, kann man diesen immer noch unter dem Mantel über einem Pulli oder Hemd verstecken. Besonders wenn der Gürtel ein bisschen oller ist, trage ich den lieber drunter, dann werden beide, der Gürtel wie der Mantel zu einem Team:

“Du Mantel schützt mich vor Wind und Kälte und versteckst ein olles Geheimnis das mich so wärmt.”

Wenn ihr wüsstet, was für einen bequemem und hübschen Gürtel ich unter meinem warmem Mantel habe, ihr habt keine Ahnung wie gut sich das anfühlt!

RUT MEYBURG – TASCHEN MIT VORGESCHICHTE

berlin, professionals

Interview mit Rut Meyburg. Architektin, die ihre Liebe zum Handwerk, Upcycling und Leder unter eine Marke gebracht hat.