KURSVORSTELLUNG: KOLLEKTIONSPROJEKT 1 // SUSTAINABLE FASHION // SEM.3 // PROF. JOHANNA MICHEL, BIANCA KOCZAN, LIZA SANDER

Fashion, htw, nachhaltigkeit

Während hunderttausende Menschen international auf die Straße gehen und sich für eine umweltfreundliche Politik und Wirtschaft einsetzen, wird sichtbar wie der Trend der Nachhaltigkeit sich durch alle Branchen durchzieht. Auch die Bekleidungsindustrie, die nach der Erdölindustrie die Dreckigste ist,  kann es sich nicht mehr leisten, wegzuhören.


Somit ist es als Designer heute wichtiger denn je,  sich mit den Auswirkungen und neuen Entwicklungen auseinanderzusetzen, um Bekleidung von Anfang an nachhaltig zu gestalten.

Doch was heißt es überhaupt nachhaltige Bekleidung zu designen? Ist der Widerspruch dabei nicht schon in der Sache selbst? Kann man mit einem guten Gewissen heute überhaupt noch neue Kleidung auf den Markt bringen, wo doch der heutige Stand der Produktion reichen würde, um die folgenden 50 Jahre die Menschheit zu kleiden. Werden wir in Zukunft vielleicht gar keine Kleidung mehr besitzen sondern leasen?

In dem ‚Sustainable Fashion’ Kurs unter der Leitung von Johanna Michel, Bianca Koczan sowie Liza Sander werden genau diese Fragen aufgestellt.

Lösungen werden hier an den Wurzeln angepackt, so werden unter Berücksichtigung der gesamten Wertschöpfungskette bei Designentscheidungen neue Ideen gesucht. 

Da das Thema sehr komplex ist und es nicht auf alle Problematiken einfache Lösungen gibt,  ist vor allem in der Slow-Fashion-Branche der Austausch von Informationen und Zusammenarbeit entscheidend.

Passend dazu war das Thema des Sommersemester Kurses 2019 ‚NEARSHORING‘ zu betreiben. Dabei hatten die Studierende die Aufgabe mit lokalen Manufakturen etc. zusammen zu arbeiten. Teilweise wurden Abfälle von Unternehmen weiterverarbeitet, Informationen wie über die Färbung mit Pflanzen oder der Verarbeitung von Leder geteilt. 

Mit Liza Sander (Future Strategist & Facilitator for Social-Ecological Design and Processes) und Larissa Roviezzo von ReGenerate (Concept Development & Strategies) wurden Profis an die HTW geholt, die den Kursteilnehmern durch verschiedene Workshops die Bandbreite der Problematik der Modeindustrie mit Lösungsansätzen und Motivation näher gebracht haben.

So wurde beispielsweise im ersten Workshop ein Schuh auseinandergenommen und die verschiedenen Materialien angeschaut. Ideen für kreative Lösungen wurden daraufhin in Gruppen gesammelt und präsentiert. Hier sind die Designer*Innen nicht nur als Gestalter sondern als kreativer Lösungsfinder gefragt. 

In den folgenden Workshops haben sich die Studierenden mit den‚ 17 United Nation Sustainable Development Goals‘ auseinandergesetzt. Die Studierenden haben sich daraufhin mit jeweils einem oder mehreren Goals näher beschäftigt und in ihrer Kollektion umgesetzt.  Wie unter anderem ‚Gender Equality‘, ‚Clean Water‘, ‚Climate Action‘, oder ‚Good Health‘. Auch wurden während der ‚GREEN FASHION TOUR’ geleitet von Liza Sander, verschiedene Ansätze von Berliner Marken bzw. Läden vorgestellt. Die Studierenden konnten sich die Inspiration für ihre aus den Kursen entstandenen Konzepte selbst suchen. 

Im Folgenden sind Beispiele verschiedener Studierenden, die sich mit allerlei verschiedenen Herausforderungen auseinandergesetzt und neue Ansätze gefunden haben. Dabei entstanden Outfits, die beispielsweise mit neuen Materialien, natürlichen Färbemethoden, Naturstoffen, durch Upcycling oder auch einer künstlerischen Auseinandersetzung der Thematik entstanden sind.

Da die Problematik in der Modeindustrie zu tiefgreifend ist, um sie in einem Semester zu lösen, konnte der Kurs vor allem den Studierenden Mut geben sich weiterhin damit zu befassen.

Upcycling 4u

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Upcycling, welches als Wort aktuell immer mehr Bedeutung bekommt, ist Form von Recycling, der Wiederverwertung von Stoffen. Anders als beim sogenannten „Downcycling“ gewinnt der Stoff beim Upcycling an Wert.

Upcycling kann im Bezug auf Mode in vielen verschiedenen Formen stattfinden, und sollte sich auch im Denken von Textilkonsumenten vermehrt wiederfinden.

Eine Herangehensweise ist, ein nicht mehr intaktes Kleidungsstück zu reparieren. Hiermit wird es wieder verwendet, obwohl der „Zyklus“ des Stückes eigentlich bereits beendet wäre. Anstatt ein neues Teil und die damit verbundenen Emissionen zu kaufen, spart man so auch Geld.

Eine etwas komplexere Möglichkeit ist das Wiederverwenden von Kleidungsstücken, die Aufgrund ihres Aussehens nicht mehr verwendet werden. Zunächst gilt es zu analysieren, welches äußere Kriterium nicht mehr gefällt.

Liegt es an der Farbe, so kann diese mit Färbe- oder Bleichmitteln einfach und wenn gewünscht sogar sehr kreativ geändert werden. Liegt es an dem Schnitt, so kann man diesen durch Auftrennen der Nähte verändern, oder sogar den Stoff als neuen Rohstoff für einen komplett anderen Schnitt verwenden. Hierbei hilft es manchmal, wenn man kleinere Stoffteile wie z.B. Ärmel aneinander näht, um größere Flächen zu erhalten.

Darüber hinaus ist es nicht unbekannt, dass man als kreativ schaffender Mensch gern auch neue, inspirierende Materialen kauft. Wenn man hier allerdings beginnt, die Quelle zu ändern, sprich den Stoff für ein neues Projekt nicht im Stoff-, sondern im Second-Hand Laden zu suchen, so handelt man nicht nur umweltbewusst, sondern erfährt auch neue gestalterische Möglichkeiten.

Stoffe in Second-Hand Läden, die sich gut zum Upcycling eignen sind zum Beispiel Jeans (wobei ein hoher Baumwolle Anteil wichtig ist), Hemden und Jersey Ware. Auch der Heimtextilien Bereich ist nicht außer Acht zu lassen, da sich oft qualitativ hohe Meterware finden läßt. 

Um die gefundenen Stoffe zu veredeln, also ihren „Wert“ noch zu erhöhen kann man zum Beispiel Ziernähte anbringen, Färbungen aufbringen oder mit Applikationen wie Transferfolien, Stickereien oder Textilmaker-Zeichnungen schmücken.

Als Inspiration hier zu sehen, wie aus einer im Humana gekauften Jeans eine Jacke wird.

  1. Zerschneiden der Jeans in große Stoffteile
  2. Aufbringen von Heat-Transfer Folien
  3. Zuschnitt, Nähen- FERTIG

Kursvorstellung: Kollektionsprojekt 1 // Sportswear // SEM3 // Prof. Horst Fetzer

2019, Design, Fashion, htw, Werkschau

Noch nie war der Einfluss von Sportswear in der Mode so präsent wie heute. Besonders Designer-Brands wie Dior und sogar Mugler springen auf den Zug der sportiven Ästhetik.

In dem 3. Semester Kurs; Sportswear, wird experimentell auf Sportmode eingegangen. Neue Materialien, neue Funktion, Form und Volumen. 

Ihr erstellt eine Capsule Collection unter einer futuristischen Modemarke. Von der Kleidung über die Corporate Identity und über Zielgruppen. Ob DOB, HAKA oder unisex ist egal, die einzige Vorgabe lautet: Arbeitet monochrom!

Als erstes geht es an die Research und Inspiration, ihr sucht euch so viele Stoffe wie nur möglich zu eurer selbstgewählten Farbe. Die monochrome Vorgabe erleichtert es sehr nach Stoffen zu suchen und engt die Auswahl zwar etwas ein, aber beschleunigt den Prozess stark. Es ist auch möglich das Fach mit dem CAD-Print Kurs zu verbinden, wichtig ist nur, dass ihr den Print früh genug bestellt. Nachdem ihr euch ein Stoffbuch angelegt habt geht es ans experimentieren mit neuen Verarbeitungstechniken, Flächengestaltung und Formen (hier kann man auch mit Maschinen aus dem Digidock arbeiten; Lasercutter, 3D Druck etc.). In diesem Kurs wird das erste Mal eine komplette Kollektion designt, cohäsion und ein starkes Brand Image werden besonders beim Designprozess deswegen umso wichtiger. Während des Prozesses werdet ihr angeregt über neue Formen auf dem Körper nachzudenken, über die Funktion im Alltag, Manipulation vorhandener Silhouetten und Asymmetrie. Insgesamt wird viel Wert auf Innovation gelegt. Es werden viele Entwürfe erwartet, aus denen später mind. 5 ausgewählt werden und der Keylook umgesetzt wird. Der Keylook besteht aus mind 4 Teilen, davon eins ein Outerwear/Coverstyle. Aber bevor die Kollektion steht werden alle Loks auseinander genommen, in einzelne Pieces aufgeteilt und neu gestylt um zu sehen wie die Kollektion miteinander funktioniert und coole neue Lookmöglichkeiten zu gestalten.

In der Zwischenpräsentiation hat jeder ca. 10 min Zeit sein Konzept und Kollektion vor dem Kurs zu präsentieren; Inspiration/Konzept, Sotffkonzept und die einzelnen Looks. Danach gehts ans Prototyping mit Frau Baumholzer-Fetzer. Dort wird euch geholfen eure Ideen umzusetzen, und die fertigen Looks zu kreiren. Worksheets erleichtern euch die Arbeit zwischen Konsultationen und der Umsetzung.

Während der gesamten Zeit führt ihr ein Skizzenbuch in dem alles dokumentiert wird von der ersten Idee bis hin zum Fotoshooting. Bei Prof. Dr. Bookhagen in Management entwickelt ihr währenddessen ein Marketingkonzept für eure neue Brand welches am Ende in einer großen präsentation vor der ganzen Gruppe mit vorgestellt wird. In der Präsentation zeigt ihr nochmal euer gesamtes Konzept, die Kollektion, das Shooting und natürlich den fertigen Keylook, sowie ein selbst designtes Plakat mit Logo. 

Insgesamt ist der Sportswear Kurs ein sehr umfangreicher, aber gleichzeitig auch lehrreicher und erfüllender Kurs. 

Hier noch ein paar Beispiele vom Sommer Semester 2019:

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Ist euch der Klimawandel egal?

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Liebe Modewelt!

Hier sind ein paar Dinge, die ich mir wünsche. Und zwar von euch allen, die ihr etwas zu sagen oder entscheiden habt.Eigentlich wollte ich diesen Artikel für einen anderen Modeblog schreiben, aber da war meine Kritik an euch nicht so willkommen. Denn anscheinend sind die Brillen, durch die ich die Modewelt sehe unfair. Aber ich denke, das sollen alle lieber selbst entscheiden.

Cultural Appropriation – was ist das eigentlich?

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Unter „Cultural Appropriation“, zu Deutsch kulturelle Aneignung, versteht man das Phänomen, wenn dominante Gesellschaftsgruppen Frisuren, Kleidung, Accessoires oder andere Elemente aus einer marginalisierten Kultur übernehmen. Oft fehlt dabei der sensible und respektvolle Umgang mit der imitierten Kultur.

Aber was hat das mit Mode zu tun?

Ein besonders gutes Bespiel für kulturelle Aneignung in einem modischen Kontext ist das Musikfestival „Coachella“, dass alljährlich in Kalifornien stattfindet.

Oftmals sind die auffälligen Outfits gespickt mit Symbolen und Elementen verschiedenster Kulturen. Es wird Federschmuck indigener Völker Nordamerikas getragen, Bindis, die in Südasien Weisheit und Spiritualität bedeuten, ergänzen das Festival Make-Up und Braids oder Dreadlocks machen das Haarstyling perfekt.

Auch bei großen Modeunternehmen taucht kulturelle Aneignung fast inflationär auf.

Valentino inszenierte beispielsweise weiße Models inmitten eines afrikanischen Stammes, Chanel vertrieb einen Bumerang, Wurfwaffe und Symbol der australischen Aborigines, für 2000 US-Dollar und Marc Jacobs ließ hauptsächlich weiße Models mit bunten Dreadlocks über den Catwalk laufen.

Ist das nicht einfach nur kultureller Austausch, der in unserer globalisierten Welt nicht mehr unumgänglich ist?

Der Unterschied zwischen kulturellem Austausch und kultureller Aneignung ist, dass bei kultureller Aneignung meist eine priviligierte, weiße Schicht Elemente, Symbole oder Artefakte marginalisierter Kulturen nehmen und sich diese meistens aus wirtschaftlichen, oder modischen Gründen zunutze machen.

Auch wird gerade im Fall von Braids und Dreadlocks bei weißen Menschen völlig außer Acht gelassen, dass People of Colour ihre Haarstruktur nicht nach Belieben ändern können und häufig gerade deswegen mit rassistischen Anfeindungen und strukturellem Rassismus zu kämpfen haben. Dieser Umstand wird durch uninformiertes Aneignen anderer Kulturen schlichtweg verharmlost.

Wie geht man am Besten mit kultureller Aneignung um?

An erster Stelle steht, sich mit anderen Kulturen auseinanderzusetzen, sich über historische Hintergründe zu informieren.

Wann gelten bestimmt Symbole der jeweiligen Kultur als heilig? Wann unterstütze ich durch meine Art der Aneignung strukturellen Rassismus? 

Ein respektvoller und sensibler Umgang und das Aufbringen von Verständnis für andere Kulturen ist besonders wichtig. Dabei kann ein Dialog mit Menschen anderer kultureller Herkunft besonders  wegweisend sein. Persönliche Geschichten und Erfahrungen helfen dabei, eine Beziehung zu anderen Menschen und Kulturen aufzubauen.

Gerade in der Modebranche, in der kulturelle Aneignung ein großes Problem ist, werden meistens die Menschen, die hinter den angeeigneten Kulturen stecken, nicht inkludiert. Hier spricht man vom sogenannten „Diversity-Gap“. Marginalisierte Kulturen werden auf den Laufstegen oder Katalogen kaum gesehen und kommen so nicht zu seinem persönlichen Ausdruck. 

Gerade die Industrie sollte sich ihrer Reichweite und dem Stellenwert, den Mode in unserer Welt hat, bewusst werden. Inspirationen aus anderen Kulturen zu ziehen ist nichts verwerfliches. Sich jedoch ohne jegliche Art der Wertschätzung an anderen Kulturen zu bedienen und daraus Profit zu schlagen ist nicht in Ordnung. 

Wieso nicht mit Menschen zusammenarbeiten, die aus der jeweiligen Kultur stammen, und diese in den Arbeitsprozess einbinden? So würde die soziale und kulturelle Vielfalt besser ausgeschöpft werden, denn Mode kann in jedem Fall als Mittel zur Dekolonialisierung und als Vermittler zwischen den verschiedenen Kulturen dienen.

Die HTW Berlin lädt ein zur WERKSCHAU 2019

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Dieses Wochenende ist es wieder so weit: im Rahmen der jährlich stattfindenden WERKSCHAU stellen rund 1500 Studierende und Professor*innen des Fachbereichs 5 für Gestaltung und Kultur ihre Arbeiten des aktuellen Semesters aus.

Alle Interessent*innen sind herzlich eingeladen, an diesem Wochenende in sommerlicher Atmosphäre die HTW und unterschiedlichste Arbeiten von Studierenden zu erkunden, sowie Vorträgen und Präsentationen beizuwohnen. Die WERKSCHAU ist auch eine gute Gelegenheit, sich als Studieninteressierte*r über die Studiengänge zu informieren.

Wann: 05. und 06. Juli 2019, jeweils 13 – 20 Uhr
Wo: HTW Campus Wilhelminenhof | Wilhelminenhofstr. 75A, 12459 Berlin
und in den Reinbeckhallen | Reinbeckstraße 17, 12459 Berlin
Eintritt: kostenlos!

Info: https://events.htw-berlin.de/hochschule/werkschau-2019-gestaltung-und-kultur/
Facebook: https://www.facebook.com/events/2334610216814784/