Modische Zeitreisen und experimentelle Arbeitstechniken auf der Langen Nacht der Wissenschaften

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Am 15.06.2019 präsentierten die vier Modeabsolventinnen Atefeh Farzandi, Carla Renée Loose, Esther-Helin Bienroth und Nayeon Kim, ihre ausgefallenen Endprojekte auf der Langen Nacht der Wissenschaften.
Jede Kollektion basierte dabei auf einem anderen Thema.


Mit viel Liebe und Kreativität zauberten sie ihre Kollektionen aus ungewöhnlichen Materialien und mit ideenreichen Arbeitstechniken. So gab es Outfits und Accessoires mit aufwendigen Oberflächengestaltungen und komplizierten Schnitttechniken zu bewundern.

Paradox

Atefeh Farzandi beschäftigte sich unter dem Titel „ Paradox“ mit ihrem Heimatland, dem Iran und ihrer tiefen Verbindung zu diesem. Aber auch mit den Vorurteilen den die Medien in Europa über das Land verursachen. Sie möchte die Vielfalt ihrer Heimat zeigen und ihre Kultur von mehreren Seiten beleuchten.

Dies zeigt sie einerseits mit transformierbaren Outfits, wie den, aus traditionellem Stoff gefertigten Schleier, der ein buntes Futter birgt, das das Outfit von einem schlichten grauen Schleier im Hand umdrehen in ein fröhliches Kleid verwandelt. So, sagt sie, hat auch die iranische Kultur zwei Seiten, die es beide wert sind betrachtet zu werden. Andere Schleier sind ganz durchsichtig, mit bunten Blumen bedruckt, um zu zeigen, dass man sich die Dinge nicht durch einen Filter ansehen sollte, wie man auch eine Kultur nicht durch den Filter der Medien sehen und beurteilen sollte.

Doch auch mit Worten aus geschriebenen Gedichten, bringt Atefeh uns ihr Thema näher. Einzelne Zitate wie: „Sillouetten der Frauen“ oder „Liebkosen“ und „ Schoss“ verarbeitete sie in ihren Outfits.

So vereinigt sie Tradition mit Mode und zeigt uns dabei eine neue Seite des Iran.

Es war alles Gegenwart, die Zukunft fand ausschließlich in Science Fiction statt

Carla Renée Loose thematisierte mit ihrer Kollektion, die den Titel „Es war alles Gegenwart, die Zukunft fand ausschließlich in Science Fiction statt“ trägt, die Idealisierung der Jugend. Sie beschäftigt sich mit den Wunsch der Gesellschaft nach ewiger Jugend und warum wir Menschen so sehr danach streben. Dabei kommt sie zu dem Schluss, dass es der Wunsch nach Einfachheit und weniger Verantwortlichkeit ist, der uns nach Jugendlichkeit streben lässt und dass das Bedürfnis nach Abweichung und Unvernunft in paradoxer Weise, in zwanghafter Aufrechterhaltung der äußerlichen Jugendlichkeit resultiert.

Ihre Kollektion spielt mit dieser Idee und zeigt einerseits das Jugendliche, Experimentelle und Verspielte, doch im Kontrast dazu das Inszenierte und Oberflächliche. So wirkt ihre Kollektion als ein Ganzes und sollte als ein solches betrachtet werden. In ihren Outfits visualisiert sie die intensive Emotionalität der Jugend im un-idealisiertem Zustand. Während sie in Accessoires in Folie eingepackte Stickereien präsentiert, die die konservierte Jugend darstellt. Die Oberflächengestaltungen sind der Schwerpunkt ihrer Kollektion. So findet man mit viel Liebe bestickte Stoffe, aufwendig gestrickte Oberteile und kunstvolle Faltentechniken in ihren Outfits.

The Importance of Being Nothing

Esther-Helin Bienroth’s Abschlussarbeit „The Importance of Being Nothing“ bringt eine neue Denkweise in das Thema Stress und Überforderung. Sie stellt die Idee einer multiplen Persönlichkeitsstruktur vor, die aus der ständigen Selbstoptimierung resultiert. In einer Visualisierung stellt sie diese Persönlichkeiten in einen Raum um einen Dialog zu beginnen.

Zu Grunde liegt dieser Idee ihre kritische Sicht auf die heutigen Medien und ihre stetig wachsende Wichtigkeit in unserem privaten und aber auch beruflichen Leben. Der ständige Vergleich zu anderen, der uns unter Druck setzt und den Künstlern die Kreativität nimmt. Sie selbst hat sich von Instagram entfernt und beschlossen bei ihrer Kollektion mit nichts zu beginnen und ganz und gar bei sich zu bleiben. Denn man darf den Bezug zum selbst nicht verlieren. Sie konzentriert sich bei mit Artfremden Material, die sie aus dem Kontext geholt einsetzt, auf die Reduzierung. Doch auch ihre Persönlichkeiten tauchen als Gesichter, in Drucken oder als Accessoires immer wieder auf. Auch mit Abdrucken, wie zum Beispiel die Kleider derer Personen, die sie unterstützten, findet man als Oberflächengestaltung in ihren Outfits.

Sie möchte eine Gegenbewegung zum Konsum und somit den Protest gegen die Ausbeutung der Kreativen beginnen.

Zeitreise von Joseon zu Seoul

In ihrer Kollektion „Zeitreise von Joseon zu Seoul“ beschäftigt sich Nayeon Kim ebenfalls mit ihrer Heimat. Wie ihr Titel es bereits verrät, kann man in ihrer Kollektion sowohl traditionelle koreanische Schnitte als auch moderne Elemte, wie von den modischen Converseschuhen inspirierte Schnürrtechnicken bewundern.

Der Schwerpunkt ihrer Kollektion ist jedoch ihre interessante Technik, ihre gezeichneten Bilder zu Mode zu machen. Sie wandelt nicht nur ihre Bilder zu Prints um, die sie auf Samt drucken lässt, sonder „zeichnet mit ihren Schnitten“. Dabei wird der Stoff zur Farbe, die Nähmaschine zum Pinsel, ihr Outfit zur Kunst. Auch mit 3D Effekten bringt sie uns zum Staunen. So ist die Stadt auf ihrer Kleidung zum Greifen nah. Das schnelllebige Seoul inspirierte sie nicht nur bei Tag. Auf der Rückseite ihrer Outfits hat sie die Stadt bei Nacht festgehalten. Rücken und Vorderansicht sind oft unterschiedlich bei ihr.

Doch auch bei ihren Traditionellen Outfits erzählt sie uns eine Geschichte. Mit dem Motiv des weinenden Auges, erinnert sie an die Gisaeng, die zu ihrer Zeit sehr gebildete Frauen wahren, jedoch durch ihre Strengen Regeln oft traurige Liebesgeschichten verbargen.

So nimmt uns Nayeon Kim auf eine Zeitreise durch die Geschichte ihrer Heimatstadt und findet dabei eine neue Interessante Art Mode zu machen.

In Allem eine sehr gelungende Austellung.

Respekt an die Designer.

„Paradox“


„Es war alles Gegenwart, die Zukunft fand ausschließlich in Science Fiction statt“

„The Importance of Being Nothing“

„Zeitreise von Joseon zu Seoul“

MET GALA 2019: „Camp: Notes on Fashion“

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CAMP – Übertreibung, Ironie, Theatralik, Parodie und Extravaganz!

Dies ist das neue Thema der Ausstellung des Costume Institutes, das sich in dem Metropolitan Museum Of Art befindet.
Susan Sontags Essay „Notes On Camp“ (1964) dient als Rahmen der diesjährigen Exposition. Die themenorientierte Ausstellung wird traditionell durch die Met Gala eröffnet, eine der aufsehenerregendsten Benefizveranstaltungen weltweit. 

Timo Martens – Hommage au cliché

Alumni

Timo Martens ist einer der Modedesign Bachelor Absolventen des Wintersemesters 2018/2019 an der HTW Berlin. Seine Abschlusskollektion „Hommage au cliché“ ist inspiriert von seiner Heimat Ostfriesland. Am 1. April stellte er der Hochschule seine Abschlusskollektion im Rahmen eines Showrooms vor. Seine Kollektion besticht durch zeitlose Modelle, aufwändige Stickereien und hochwertige Materialien. Insgesamt flossen ca. 1200 Arbeitsstunden in die Kollektion.

Timo was hat dich zu deiner Kollektion inspiriert?

Meine Heimat ist mit vielen negativen Klischees besetzt. Mit meiner Kollektion beleuchte ich diese Vorurteile von einer anderen Seite und kehre Sie ins Positive um.

Du sagtest, dass es viele negative Klischees über deine Heimat gibt. Wurdest du in der Zeit deines Studiums mit Klischees aus deiner Heimat konfrontiert?

Ja öfter, wenn ich erzählt habe von woher ich komme begegnete mir häufig ein Lächeln. Viele Leute kennen Otto Waalkes und „seinen“ Leuchtturm. Negative Erfahrungen habe ich zwar keine damit gemacht, aber belächelt wird man schon. Viele Menschen kennen Ostfriesenwitze und denken, dass auf dem Land nur Bauern wohnen.

Wie spiegelt sich Ostfriesland in den Outfits wider?

Ich habe für jedes der Modelle Ikonen Ostfrieslands als Inspiration genommen. Das wäre zum Beispiel der knallgelbe Ostfriesennerz, der als Klassiker der Regenmäntel bekannt ist. Außerdem habe ich noch das Fischerhemd und die Ostfriesenrose als Inspiration genutzt. In Ostfriesland trinken viele Leute schwarzen Tee. Hierzu benutzen Sie klassischerweise ein Porzellan mit dem Motiv der Ostfriesenrose.

Allgemein habe ich alle Ikonen in eine Couture Kollektion übersetzt und hier viel mit der Pariser Mode der 1950er und 60er Jahre gearbeitet. Mein Ziel war es die alltäglichen Dinge Ostfrieslands besonders darzustellen.

Ostfriesennerzkleid © Timo Martens / Jonas Friedrich

Du hast in deine Kollektion etwa 1200 Arbeitsstunden fließen lassen. Ich nehme an, die meiste Zeit hast du am Stickrahmen verbracht. Hattest du schon immer eine Passion für Stickereien?

Das kann man so sagen, ich habe schon in der Grundschule gestickt. So richtig hat sich alles aber erst im Studium entwickelt. Seit dem ersten Semester habe ich meine Modelle bestickt. Richtig intensiv flossen im vierten Semester die Stickereien als Hauptmerkmal in meine Kollektion ein. Für meine Bachelorkollektion war daher von Anfang an klar, dass ich fast jedes Modell per Hand besticken werde.

Welches Outfit der Kollektion ist dein Lieblingsmodell und warum?

Das ist gar nicht so leicht zu sagen. Ich finde natürlich alle Modelle schön, aber besonders verbunden fühle ich mich mit dem Blaudruck Outfit. Für dieses habe ich in Jever in einem Atelier Stoffe bedrucken lassen. Mit Hilfe von Indigo wurde der Stoff mit Motiven, die bereits 400 Jahre alt sind bedruckt. Alte Handwerkstechniken sind mir sehr wichtig. Die Jacke habe ich zusätzlich mit Kristallen bestickt, die den „Kluntje im Tee“ (Hochdeutsch: Kandis) im übertragenen Sinne darstellen.

Blaudruckjacke mit Blaudruckkleid © Timo Martens / Jonas Friedrich

Was sind deine Ziele nach dem Bachelor?

Ich habe gerade meinen Master an der HTW Berlin begonnen. Dort möchte ich mich im Bereich Stickerei noch weiterentwickeln. Durch die vielen technisches Möglichkeiten wie zum Bespiel Lasercut, kann man hier modernste Techniken einsetzen um noch ausgefallenere Stickereien zu entwickeln. Langfristig ist es mein Ziel in der Pariser Haute Couture zu arbeiten. In Paris gibt es viele Unternehmen, die gemeinsam mit Manufakturen moderne Stickereien entwickeln.

Für weitere Informationen und Bilder: www.timomartens.com

Instagram: @ateliertimomartens

Der Film zur Kollektion: Youtube



Innovativer Strick trifft auf Industriecharme – Modeausstellung der HTW Berlin

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Vom 3. bis 7. April hatte man wieder die Möglichkeit einen Blick auf eine besondere Ausstellung und den dort ausgestellten Fotografien der Studierenden der HTW Berlin zu werfen. Das moderne Industrieambiente der Reinbeckhallen wurde durch gleißendes Licht erhellt und verlieh den dort ausgestellten Fotografien einen ganz besonderen Charme.

Foto: RHB X HTW FASHION die Ausstellung in den Reinbeckhallen © Julia Brunner

STUDIEN- UND KARRIEREBERATUNG ABOUT:FASHION: Die Mega-Chance für Mode-Studierende (?)

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Von Kathi Leimner & Leon Wenzel

Silke Geib empfängt uns herzlich, als wir an einem grauen Oktober-Sonntag in das ebenerdige Ladengeschäft im Prenzlauer Berg spazieren. Die groß gewachsene Frau ist Geschäftsführerin von about:fashion. In der Studien- und Karriereberatung ist heute Tag der offenen Tür. Mode-StudentInnen, jene, die es werden wollen, Alumni und alle Neugierigen, haben die Möglichkeit, Silke Geib Löcher in den Bauch zu fragen. Für uns Modestudenten, die immer wieder mit der Aussage konfrontiert sind, dass man es schwer habe, in der Branche Fuß zu fassen (ein äußerst ermutigender Satz übrigens), scheint sich ein kleiner Lichtblick aufgetan zu haben. Silke Geib schenkt uns ihre ganze Aufmerksamkeit an diesem frühen Nachmittag.

„Du hast deinen Abschluss in der Tasche, aber was jetzt?“

Silke Geib in ihrem Element. Fotocredit: Studio Karpstein

Silke Geib in ihrem Element. Fotocredit: Studio Karpstein

about:fashion ist, wie uns Silke erklärt, einzigartig in Deutschland. Das Unternehmen konzentriert sich zu 100% auf den Bereich Mode. Egal, ob angehende Moderedakteure, fertig studierte Designer, Journalisten oder auch Mode Manager. about:fashion bietet Beratung, Coaching & Kurse für Schüler, Modestudierende, Fashion Professionals, Modeschulen und Unternehmen.

Silke Geib gründete das Label BLAENK. Fotocredit: Studio Karpstein

Silke Geib gründete das Mode Label BLAENK. Fotocredit: Studio Karpstein

Im hellen Raum stehen zwei Tische, einer mit Softdrinks, Süßigkeiten, Flyern, einer mit Beispielen aus einem Portfolio. Klassische Illustrationen und technische Zeichnungen. Daneben zwei Puppen mit Outfits aus Silke Geibs Produktion. Links an der Wand geht es weiter mit Worksheets und Materialproben. Rechts hinter beiden Tischen sind zwei weitere Puppen mit Outfits und passenden Fotos, dazwischen Puppenteile vorsichtig hingeschmissen. Ein Kleiderständer mit mehr.

Seit 18 Jahren ist Silke Geib in der Modebranche tätig. Sie selbst studierte an der Pariser ESMOD. Seitdem, so kann man das sagen, hat sie eine steile Karriere hingelegt: Maison Margiela, Lindberg, Viktor & Rolf…, Sie hat es geschafft bei renommierten Designern Fuß zu fassen.
Sie gründete ein eigenes Label und lehrte als Dozentin an der Berliner ESMOD.
„Wir setzen da an, wo der Lehrplan der Schulen aufhört“, sagt Silke. Denn viele Studierende fragen sich, wie sie überhaupt an die begehrten Jobs in der Modebranche kommen. Die Philosophie von about:fashion will genau dort ansetzen. „Wir klären viel auf über Headhunter, Kontakte in die Branche, Arbeitsverträge, und die Frage, wie ich mich vermarkte.“

about:Fashion unterstützt beim Einstieg in die Modebranche. Fotocredit: Studio Karpstein

about:fashion unterstützt beim Einstieg in die Modebranche. Fotocredit: Studio Karpstein

„Die Leute profitieren von meinem großen Netzwerk.“

Die Preise liegen neben den Süßigkeiten, unter Plakaten an der Wand, welche erklären wer Silke ist und was das Unternehmen so macht. Silke empfängt uns, der Raum ist recht leer. Kathi nimmt auf was Silke erzählt, der Raum füllt sich mit netten Menschen und damit auch mit Lautstärke. Ich habe Sorge, dass man die Aufnahme am Ende nicht versteht.
Beim Umsehen lerne ich aus dem Hintergrund endlich wie man Demeulemeester richtig ausspricht.

Silke kennt die Modebranche in- und auswendig. Aufgrund ihrer jahrelangen Berufserfahrung und Head-of-Positionen ist die geschmackvoll gekleidete Frau national und international gut vernetzt. Vor allem weiß sie, welchen Anforderungen sich die Bewerber stellen müssen, um international konkurrenzfähig zu sein. Aus ihrem Know-How sollen zukünftige Modeschaffende schöpfen. „Die Leute profitieren von meinem großen Netzwerk. Meine Kollegen arbeiten in den renommiertesten Unternehmen und dieses Insiderwissen kann eine Schule so nicht bieten.“

„Ich habe eine tolle Karriere gemacht und das ist der Motor und die Motivation, Leuten zu helfen, auch so eine tolle Karriere zu machen.“

Wer Support braucht, ist bei about:Fashion gut aufgehoben. Fotocredit: Studio Karpstein

Wer die Karriereleiter hochklettern will, kann hier Support finden. Fotocredit: Studio Karpstein

Über die nächsten zwei Stunden reden wir noch viel mit Silke. Eine Architekturstudentin informiert sich über das Modedesignstudium. Eventuell will sie direkt in den Master einsteigen. Sie erhofft sich Tipps, die bekommt sie von Silke. Silke ist ehrlich, ohne die Studentin zu entmutigen, sie macht auch klar, dass ihre Kurse nicht bedingungslos Sinn machen. Das Ziel muss stimmen. Das Gespräch gefällt mir, Silke ist sympathisch. Scheinbar ist sie eine großartige Verkäuferin, macht Sinn, wenn sie beibringen will, wie man sich am besten Verkauft. Sie sagt, sie möge die Modebranche, was mich selbst etwas verwirrt.